Medien : Die Akte Milosevic – Erstes Fernsehspiel über das Haager Tribunal

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Die erstaunliche Arbeit der Kanadierin Louise Arbour als Chefanklägerin des Kriegsverbrechertribunals , eine Frau aus Übersee im fast aussichtslosen Kampf gegen Jugoslawiens damaligen Staatschef Slobodan Milosevic – fast zehn Jahre hat es gedauert, bis sich Produzenten, Autoren und Redakteure an den Stoff gewagt haben. Am Freitagabend war es so weit: „Jagd nach Gerechtigkeit“, eine kanadischdeutsche Koproduktion, der erste Film über das Den Haager Tribunal, lief zum Start der Cologne Conference in Köln. Erstaunlich: Das ist einer von nur zwei deutschen Filmen auf dem wichtigsten deutschen Fernsehfilmfest, aber immerhin der Auftakt und einer der Höhepunkte im „Top-Ten-Fiction“-Programm.

Der belgische Regisseur Charles Binamé hat den Stoff als Politdrama inszeniert. Das ist ihm – weitgehend – gelungen. Die langen Nächte der Strafverfolger über Akten in Den Haag, die grausame Kriegsrealität, Ortstermine an Massengräbern, das Zögern der Nato, die Machtspiele hinter den Kulissen. Dazwischen authentische Nachrichtenbilder und mittendrin Louise Arbour, und immer wieder die Frage: wer hat die Massaker zu verantworten, wer in Ex-Jugoslawien hat Schmutz an den Händen? Man hat das Gefühl, dass das der Wirklichkeit ziemlich nahe kommt. Louise Arbour hat zwei Jahre am Drehbuch mitgearbeitet , sich allerdings erbeten, nichts Persönliches aufzunehmen.

Wendy Crewson spielt die damals 49-jährige kanadische Richterin, die 1996 aus einem bequemen Job auf einen neuen, ungemütlichen Posten berufen wurde („Das ist Politik. Willkommen in der UN!“). Da ist Neugierde, Mut, aber privat auch leiser Zweifel. Zugegeben: Eine etwas weniger hölzerne Räuberpistole hätt’s auch getan. Dass die – erfundene – Figur Pasko (Stipe Erceg), Arbours muslimischer Übersetzer, seine schöne

Freundin an die Schlächter verlor, nun gut – „Jagd nach Gerechtigkeit“ wird von der Degeto, notorischer Lieferant leichter Spielfilmkost, mitproduziert. Wer weiß, was die Amerikaner aus dem Stoff gemacht hätten.

Neben der prominenten Besetzung – William Hurt, Heino Ferch – bleibt vor allem eins im Gedächtnis: der Mut von Louise Arbour, die Slobodan Milosevic 1999 auf die Anklagebank brachte. Louise Arbour ist heute UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.

Sie wird immer noch mit dem Leben bedroht. Das ist ihr Film. Er läuft am Dienstag, den 12.7., auf Arte (20 Uhr 45). meh

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