Medien : Die andere Seite des Sports

Warum das Thema Doping bei den Magazinen landet

Friedhard Teuffel

Kurz vor den Olympischen Spielen hat Werner Franke viel Besuch bekommen. Ein Fernsehteam nach dem nächsten tauchte in seinem Arbeitszimmer an der Universität Heidelberg auf und befragte den Professor für Molekularbiologie. Das Interesse überrascht Franke nicht, er ist seit Jahren der vielleicht engagierteste Dopingaufklärer in Deutschland. Eines ist Franke an seinen Besuchern aufgefallen: „Es sind nicht die Sportredakteure, die hier aufkreuzen. Es sind die Redakteure der politischen Magazine.“

Doping in den Medien, das ist eine schwierige Geschichte, und sie geht jetzt mit all ihren Problemen weiter bei den Olympischen Spielen in Athen. Doping ist die hässliche Seite des Sports, gerade deshalb gilt es im Rundfunk als Quotenkiller. „Es fehlt der Mut zum Unbequemen“ bemängelt Franke, „der Sportjournalismus ist von Kumpanei durchzogen“. Viele Journalisten befürchteten, beim nächsten Mal kein Interview mehr zu bekommen, wenn sie kritisch berichteten. Vor allem das Fernsehen kritisiert Franke: „Da gibt es keine löbliche Ausnahme. Im Radio bemüht sich nur der Deutschlandfunk um aufklärende Berichterstattung.“

Für die ARD hat sich Hans-Joachim Seppelt auf Doping spezialisiert. Er sagt: „Wir wollen nicht nur reagieren, sondern auch recherchieren.“ Seppelt kommentiert in Athen für die ARD vom Schwimmen, einer Sportart, die für Doping besonders anfällig ist. Für das ZDF kommentiert Kristin Otto. 1988 gewann sie in Seoul für die DDR sechs Goldmedaillen im Schwimmen. Sie gibt zwar vor, selbst nie wissentlich gedopt zu haben. Aber sogar das Amtsgericht Leipzig hat bestätigt, dass Otto in ein Dopingprogramm eingebunden war. Das Thema Doping meidet sie, anders als ihr Kollege Thomas Wark. Schon in den ersten Entscheidungen dieser Olympischen Spiele wies der ZDF-Sportreporter bei Schwimmern auf Leistungssprünge hin, die ohne Manipulation nur schwer erklärbar sind, und zeigte damit, dass Dopingberichterstattung nicht nur aus dem Verkünden positiver Dopingproben besteht.

Um sportartenübergreifende Doping- Berichterstattung kümmert sich beim ZDF vor allem Eike Schulz. Er sieht Wettbewerbsnachteile des Fernsehens gegenüber den Printmedien. „Zeitungsjournalisten können ihre Informationen auch mal am Telefon einholen. Wenn wir dagegen mit der Kamera auftauchen, machen die Leute schnell dicht.“ Dopingberichterstattung ist aufwändig, es gehören sportmedizinische Fachbegriffe dazu und oft eine längere Recherche. Viele Sportreporter sehen Dopingberichterstattung als eine eigene, fremde Disziplin und nicht als integralen Bestandteil des Sportjournalismus.

In den vergangenen Monaten haben sich ausgerechnet amerikanische Zeitungen wie der „San Francisco Chronicle“ durch Dopingaufklärung einen Namen gemacht. In Amerika, wo Doping bislang meist totgeschwiegen wurde, stehen sie für einen neuen Aufbruch. Im Fall der amerikanischen Sprinterin Marion Jones zeigt sich der schwierige Umgang mit Sportlern. Gegen die Olympiasiegerin liegt keine positive Probe vor, aber eine Fülle von belastendem Material. Die Balance zu halten zwischen Unschuldsvermutung und Verdächtigung ist daher eine der großen journalistischen Herausforderungen. Nicht zuletzt geht es um den Tonfall in der Berichterstattung. So hoch Journalisten Sportler oft bei Erfolgen jubeln, so tief lassen sie sie bei einer positiven Dopingprobe fallen, ohne Hintergründe zu beleuchten und Trainer und Sportärzte als Hintermänner zu benennen. Werner Franke sagt: „Gedopte Sportler sind für mich auch Opfer.“

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