Medien : Die Angst vorm Ausverkauf

„Medienforum“ diskutiert ausländische Übernahmen

Hannah Pilarczyk

„Eigentlich ist unsere Frage ja: Haben wir zu viele ausländische Investoren?“, sagte Frank Dahrendorf, Vizechef des Medienrates in der Medienanstalt Berlin-Brandeburg, zur Eröffnung des „Medienforums 2004“ gestern in Berlin. Da das aber komisch klinge und falsch verstanden werden könnte, habe man es positiv umformuliert. Und so diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium stattdessen die Frage: „Wer investiert in Deutschlands Medienzukunft?“.

Aktueller Hintergrund sind der Kauf der ProSieben Sat1 Media AG durch den US-Amerikaner Haim Saban und die Übernahme des Musiksenders Viva durch den US-Konzern Viacom, der schon den Viva-Konkurrenten MTV besitzt. Stellvertretend für die „Übernommenen“ saßen Sat-1-Geschäftsführer Roger Schawinski und Hubertus Meyer-Burckhardt (Vorstandsmitglied bei ProSieben Sat1 Media) sowie MTVChefin Catherine Mühlemann in der Diskussionsrunde und machten deutlich, dass ausländische Investoren in Deutschland vor allem mit zwei Vorurteilen zu kämpfen hätten: Erstens hätten sie keine Ahnung von den deutschen Medien, zweitens wären die Investoren nur auf Profit aus.

Mit seiner Forderung, endlich Werbepausen bei Fernsehnachrichten zuzulassen, lieferte der Schweizer Schawinski nicht das beste Argument gegen das zweite Vorurteil. Entlarvendes kam dagegen von Meyer-Burckhardt: „Der Bauer-Verlag beherrscht den polnischen Zeitschriftenmarkt, die WAZ-Verlagsgruppe ist die Nummer eins in Österreich. Zweifeln wir auch an deren Kompetenzen und Qualitätsansprüchen?“, fragte er ketzerisch. Ingrid Haas, designierte Informationsdirektorin von RTL, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich ausländische Investoren Wissenslücken bei ihren neuen Märkten gar nicht leisten könnten. „Erfolg wird lokal gemacht. Wer den Geschmack der deutschen Fernsehzuschauer nicht kennt, wird sich nicht halten können.“

Eine Neuausrichtung der Debatte um Übernahmen aus dem Ausland forderte auch Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen: „Wir müssen endlich auch die publizistischen, nicht nur die ökonomischen Aspekte diskutieren.“ Dafür bleibt noch bis heute Abend Zeit. Dann geht das „Medienforum“ als Teil der Medienwoche Berlin-Brandenburg zu Ende.

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