Medien : Die Anwältin der Armen

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Sie ist eine, die aneckt, die auffällt, die unangepasst ist und nirgendwo so recht hingehört. Die in Hamburg ansässige Regisseurin und Autorin Monika Treut (48) bedient nicht den Mainstream. Ganz im Gegenteil: Das beweisen ihre Arbeiten wie „Gendernauts“ (1999), „Erotique“ (1994), oder „Die Jungfrauenmaschine“ (1988), und zuletzt ging sie einer Kriegerin nach, einer ebenso Unangepassten, einer, die um Leben ringt, die für brasilianische Kinder und Jugendliche kämpft – der Menschenrechtlerin Yvonne Bezerra de Mello.

„Kriegerin des Lichts“ (ARD, 23 Uhr) nennt Treut ihren jüngsten Film. Mit einfachen dokumentarischen Mitteln, mit einer Kamera, die einfach nur deskriptiv abfilmt, die nicht interpretiert und nicht kommentiert, geht Monika Treut ihrer Lichtkriegerin nach. Sie folgt ihr in die Slums von Rio, zu den Straßenkindern, die kein Dach über dem Kopf haben, die nichts zu essen und nichts zu trinken haben, denen De Mello wie eine Heilige erscheinen muss, wie sie da einfach ankommt, alle immer wieder umarmt, anspricht, ihnen Nahrung verspricht. In staunende Gesichter blickt die Kamera da zuweilen, in fragende, naive, unsichere, aber auch längst vom Leben gezeichnete Gesichter. Gesichter von Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren.

Altruismus mag man bei Yvonne Bezerra de Mello vermuten. Sie lebt mit ihrem äußerst wohlhabenden, deutlich älteren Gatten, einem Hotelier, in einem Luxushaus. Es mangelt ihr persönlich an nichts, sie hat ihre eigene Kunst-Werkstatt und eine stolz von ihr erzählende Tochter.

So kümmert sie sich um die, die weniger Glück gehabt haben als sie. Sie unterrichtet, sie verschafft Menschen eine Bleibe – all das tut sie schon seit etlichen Jahren. Und spätestens seit den gewaltvollen Ereignissen im Juli 1993, als vor der Candelaria-Kirche acht Kinder von der Militärpolizei erschossen wurden; spätestens seitdem ist sie eine prominente Anwältin der Armen, eine, die immer wieder in den Zeitungen und Zeitschriften Brasiliens in großen Features bedacht wird; eine, die von den Menschen der Straße geliebt, von den Reichen verachtet wird. Monika Treut hat ihr, wenn man es denn so nennen will, nun ein filmisches Denkmal geschaffen. Thilo Wydra

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