Medien : Die Dämonen

Sat 1 schickt mit „Hannah Mangold & Lucy Palm“ einen erstaunlich düsteren Krimi in die Spur.

Tief in die Seele geblickt. Kommissarin Hannah Mangold (Anja Kling) kehrt nach neun Monaten in der Psychiatrie in ihren Job beim Morddezernat zurück. Foto: Sat1
Tief in die Seele geblickt. Kommissarin Hannah Mangold (Anja Kling) kehrt nach neun Monaten in der Psychiatrie in ihren Job beim...Foto: obs

Ein Dreivierteljahr war die Ex-Kommissarin Hannah Mangold in der Psychiatrie, nachdem die beste Freundin ihrer Tochter von einem entflohenen Häftling erschossen worden war, vor ihren Augen, in Mangolds Wohnung. Nun kehrt die traumatisierte Mutter, die „Irre“, auf Anraten ihres Psychiaters in ihr altes Berliner Dezernat zurück und muss sich dabei nicht nur mit den Vorurteilen der Kollegen, sondern auch gleich mit einem Serien-Vergewaltiger und einem gewieften Psychoanalytiker auseinandersetzen.

Trauma, Psyche, Mord und Totschlag, das sind nicht gerade die Zutaten, mit denen der Sat1-Zuschauer am Dienstagabend in der Primetime verwöhnt wird. Colour Your Life – wenn der heitere Senderslogan jemals seine Berechtigung hatte, dann an diesem Programmplatz, an dem in der Regel Fernsehfilme um Patchwork-Familien oder Softie-sucht-Frau-Artiges die Zielgruppe beglücken.

Umso erstaunlicher dieses neue, düstere Krimi-Format, das ähnlich wie der Versuch mit Kommissar „Wolff“ alias Jürgen Heinrich vergangene Woche bei Sat 1 in Serie gehen soll, wenn der Pilotfilm die Quotenerwartungen erfüllt.

Das Zeug dazu hat „Hannah Mangold & Lucy Palm“, nicht zuletzt auch wegen seiner Hauptdarstellerinnen Anja Kling (Mangold) und Britta Hammelstein (Palm) als ungleiches Paar im Morddezernat. Eine psychisch Fragile mit dem zweiten Gesicht, die die Geister der Vergangenheit nicht loslassen, und ein toughes Luder mit reichlich Tattoos, das ist, nach anfänglichen Vorbehalten, eine starke Mischung gegen Berlins Mörder. Mangold, die „Irre“, kann intuitiv spüren, wer der Täter ist. Jetzt muss sie nur noch ihre Kollegen davon überzeugen.

Sicher, da ist über 90 Minuten in Buch (Michael Proehl und Matthias Tuchmann), Kamera (Philipp Sichler) und Regie (Florian Schwarz) manches zu clever, manches zu stylish, manches zu cool geraten, immerhin befindet sich dieses bis in die Nebenrollen (Dirk Borchardt, Bernhard Schütz, Marek Harloff) top-besetzte Format in direkter Krimi-Konkurrenz zu den quotenstarken, seit Jahren etablierten Edel-Profilern von „CSI: Miami“.

Näher als das superschlaue CSI-Team um Caruso auf RTL sind einem diese Berliner Dämonen und die Kommissarin Hannah Mangold aber allemal. Auf der einen Seite extrem hart zu sich selbst und anderen, dann wieder supersensibel und suizidal – die Rolle ist ein gefundenes Fressen für Anja Kling, 41, die uns, so Produzentin Alicia Remirez, „tief in ihre Seele blicken“ lässt. Was einem so ein bisschen angst und bange um Frau Kling werden lässt. Remirez hat diese Hannah Mangold nach ihrem eigenen Burnout vor zwei Jahren selbst entwickelt und Erfahrungen aus dieser Zeit hineinfließen lassen. Sie sagt: „Mir fällt kein deutscher Krimi ein, der vergleichbar wäre.“ Dem ist nichts hinzufügen. Fortsetzung erwünscht.

„Hannah Mangold & Lucy Palm“, Sat 1, 20 Uhr 15

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