Medien : Die drei Damen vom Talk

Sandra Maischberger feiert ihre 500. Sendung – und lädt ihre Konkurrentinnen ein

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Von Claus Hinrich Casdorff

Seit vielen hundert Jahren feiern wir das Fest der heiligen drei Könige, die Erinnerung an die Weisen aus dem Morgenland, die zum Jesuskind gekommen waren, um es zu beschenken und ihm zu huldigen. Am heutigen Montag steht uns der weibliche Gegenbesuch ins Haus. Dann versammeln sich nämlich in Berlin die drei Königinnen der deutschen Medienszene des Jahres 2002, beladen mit Geschenken für die Fernsehzuschauer und bereit, ihnen zu huldigen. Anlass zu dieser Feierstunde ist die Tatsache, dass eine von ihnen – Sandra Maischberger – ihre 500. Sendung bei n-tv moderiert. An sich kein besonderes Ereignis, aber es erhält die königliche Krönung dadurch, dass die Senkrechtstarterin zum Jubelfest ihre Kolleginnen (oder auch Konkurrentinnen) eingeladen hat: Sabine Christiansen und Maybrit Illner. Was wird das für ein Fest werden, wenn die drei ansehnlichen Damen ihre Schlagfertigkeit, ihren Humor und ihre gegenseitige Sympathie in holder Eintracht dem staunenden Volk darbieten. Alle männlichen Politik-Moderatoren werden gezwungen sein, sich schamhaft in der Kulisse zu verstecken.

An sich wäre es angebracht, in die Jubelrufe einzustimmen. Aber ein paar kritische Untertöne mögen doch erlaubt sein. Die drei Journalistinnen haben es zwar geschafft, mit einer Reihe von männlichen Helfern im Hintergrund, ansehbare Sendungen zu konzipieren, „Berlin Mitte“ im ZDF, „Sabine Christiansen“ in der ARD und „Maischberger“ bei der privaten Konkurrenz haben inzwischen einen hohen Stellenwert, doch ein paar Ratschläge können doch dazu führen, dass die inzwischen hochdekorierten Damen nicht ganz den Boden unter den Füßen verlieren.

Da ist zunächst Sabine Christiansen, als Mitt-Vierzigerin schon die Seniorin in dem erlauchten Kreis. Sie kann sich aussuchen, ob sie nun lieber die „Queen-Mum“ des Polit-Talks im Fernsehen oder der „Mercedes“ unter ihren weiblichen Mitbewerberinnen genannt werden will. Auf jeden Fall hat sie eine steile Karriere hinter sich. Nach der Arbeit als Stewardess einer Fluglinie, die sie etwas schamhaft, „Tätigkeit in der freien Wirtschaft“ nennt, entwickelte sie große Fähigkeiten als Moderatorin in den „Tagesthemen“, bis sie dann 1997 mit Hilfe ihres damaligen Mannes ihren inzwischen angestammten Platz als Hauptdarstellerin in der nach ihr benannten Sonntagssendung eroberte.

Was ihr zu wünschen wäre, ist ein wenig mehr Durchsetzungskraft; wenn ihre zahl- und wortreichen Gäste munter durcheinander quatschen, ist es mit einigen fahrigen Ruderbewegungen nicht getan. Aber immerhin hat sie es mit Fassung ertragen, als Edmund Stoiber sie vor lauter Aufregung mit „Frau Merkel“ anredete...

Ein ganz anderes Kaliber ist Maybrit Illner von „Berlin Mitte". Ihr ist der Sprung vom Fernseh-Funk der damaligen DDR zum ZDF brillant gelungen. Sie verfügt über eine ganz andere Härte als die Christiansen. Sie ist stets gut vorbereitet, nur sollte sie sich davor hüten, vor lauter Verliebtheit in das erworbene Wissen zu langen eigenen Wortbeiträgen anzusetzen. Der wichtigste Mensch im Studio ist immer noch der Gast.

Die dritte Königin ist eine gelungene Mischung aus ihren beiden Konkurrentinnen: Sandra Maischberger mit den Kulleraugen. Es ist eine Freude, beobachten zu können, mit welchem Einfühlungsvermögen sie ihren Gesprächspartnern auf den Leib rückt. Die größte Gefahr, die auf sie lauert, ist der Wunsch, möglichst überall aufzutauchen. Viermal in der Woche an ihrem angestammten Platz, dazu noch die Sendung „Im Kreuzfeuer“ mit ihrem RTL-Kollegen Kloeppel, selbst wenn Leni Riefenstahl als Hundertjährige gelobt wird, ist sie mit einem Interview zur Stelle. Es gibt auch in ihrer Branche Verschleißerscheinungen.

Dennoch: Glückwunsch den drei heiligen Königinnen. Sie sind eine Bereicherung des Fernsehprogramms. Freuen wir uns also auf die Geschenke, die sie uns am Dienstag überreichen werden.

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