Medien : Die Dritte im Bunde

Nach dem Berliner Verlag kauft David Montgomery auch die Hamburger „Mopo“

Ulrike Simon

Sie ist die einzige Alternative in der vom Verlag Axel Springer beherrschten Hansestadt. Doch gegen den Goliath, der in Hamburg nicht nur Radio und Lokalfernsehen veranstaltet, sondern auch „Abendblatt“, „Welt“ und „Bild“ herausgibt, wirkte die liebevoll „Mopo“ genannte „Hamburger Morgenpost“ seit jeher leichtgewichtig und harmlos. Bald könnte Springer ein anderer Wind ins Gesicht blasen. Neuer Besitzer der „Mopo“ ist – unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung – die BV Deutsche Zeitungsholding. Dahinter stehen mehrheitlich David Montgomerys Mecom und Veronis Suhler Stevenson. Das kleinformatige Boulevardblatt ist nach der „Berliner Zeitung“ und dem „Berliner Kurier“ die dritte deutsche Zeitung im Besitz der anglo-amerikanischen Finanzinvestoren.

Alle drei Blätter gehörten früher Gruner + Jahr, alle drei wurden vom damaligen Vorstandschef Gerd Schulte-Hillen gekauft. Später beschloss G + J, sich von den Zeitungen zu trennen. Die „Mopo“ landete bei Hans Barlach, die Blätter des Berliner Verlags sollten an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkauft werden. Da das Kartellamt Holtzbrinck den Besitz der „Berliner Zeitung“ neben dem Tagesspiegel jedoch untersagte, übernahm im Oktober vergangenen Jahres das Konsortium um David Montgomery die Berliner Zeitungsgruppe. Schon damals kündigte der britische Zeitungsmanager an, weitere Blätter hinzukaufen zu wollen. Wie schon in Berlin nutzte er auch in Hamburg Gerd Schulte-Hillen als Vermittler. Er hält mittlerweile selbst Anteile an der BV Deutsche Zeitungsholding.

Ein vergleichbarer Widerstand wie im Herbst, als die Chefredakteure von „Kurier“ und „Berliner Zeitung“ ihre Blätter nutzten, um gegen die als „Heuschrecken“ beschimpften Finanzinvestoren zu mobilisieren, ist bei der „Mopo“ nicht zu erwarten. Zumal ihr Chefredakteur, Josef Depenbrock, bereits bisher zehn Prozent an dem Blatt hielt, wie Barlach nach dem Verkauf beteiligt bleibt und über die Verkaufsverhandlungen informiert war.

Der bei der „Mopo“ traditionell starke Betriebsrat sagt, er werde sich selbstbewusst verhalten und freue sich, dass Gerd Schulte-Hillen als Kenner des Hamburger Markts die „Mopo“ nun bereits das zweite Mal gekauft habe. Kompromisslos will sich der Betriebsrat zeigen, falls soziale Besitzstände angegriffen oder die Vollredaktion gefährdet würden.

Ende der 90er, unter Schulte-Hillen, wurde schon einmal geprüft, inwiefern eine redaktionelle Zusammenarbeit mit dem „Kurier“ die „Mopo“ aus den roten Zahlen bringen könnte. Daran wird man sich nun erinnern, erscheinen doch beide Boulevardblätter im selben Format. Ohne Synergien ließen sich die Renditeerwartungen der Finanzinvestoren kaum erreichen.

In Berlin sind die Erwartungen bekannt: Das Ergebnis soll von derzeit 14,5 Millionen Euro bis 2008 auf 26,7 Millionen Euro steigen. In Kürze muss die Führungsspitze erklären, wie sie das Ziel erreichen will. Die Aussicht auf enge Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Berlin könnte die Sache erleichtern. Mitte 2006 braucht die „Mopo“ ein neues Anzeigen- und Redaktionssystem. Dieses aus Berlin zu liefern, wäre ein Anfang.

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