Medien : Die Erde raucht in Tansania

Arte-Dokumentation über die Folgen des Tabakanbaus in Afrika

Marisa Middleton

Afrika, so scheint es bisher, ist für die Marketingabteilungen der Weltkonzerne ein weißer Fleck. Der Kontinent ist zu instabil, die Menschen sind zu arm. Bei Philip Morris ändert sich die Haltung gerade – sie wollen in Afrika richtig Geld machen. Denn im Westen ist die Zeit der Zigaretten fast abgelaufen. Immer mehr Menschen, die durchs Rauchen krank geworden sind, klagen die Konzerne an. Selbst zwei der Marlboro-Männer sind bereits an Lungenkrebs gestorben. Aber wer weiß das schon in Afrika?

Die Dokumentation von Peter Heller streift die Gesundheitsdebatte nur, ihr geht es um den Tabakanbau, der für die Landschaft in Afrika fast genauso schädlich ist, wie es Zigaretten für die Lungen von Menschen sind. Denn Tabak entzieht dem Boden so viele Nährstoffe wie keine andere Pflanze. Getrocknet werden die grünen Blätter fast nur noch über dem Feuer. Dafür müssen die Bauern immer mehr Wälder kahl schlagen. „Hier war bis vor kurzem noch ein riesiger Wald", erzählt ein alter tansanischer Imker dem Filmteam. Er steht vor seinem Haus, schaut auf das brache Land und den einzigen Baum, der übrig ist. „Jetzt fliehen die Bienen, weil sie keine Nahrung mehr finden.“ Doch der alte Mann hat zum Glück einen Cousin, den Journalisten John Waluye, der sich für die Rettung der Landschaft einsetzt. Heller macht Waluye, der für die größte tansanische Tageszeitung „Daily News“ arbeitet, zum Protagonisten seiner Dokumentation. Das Filmteam folgt ihm bei seinen Erkundungen in eine Tabakfabrik, in der Frauen für zwei Euro Tageslohn am Fließband stehen und die getrockneten Tabakblätter in Bündel zusammenpacken. Waluye spricht auch mit Tabakbauern, denen geht es durch den Umstieg von Mais auf Tabak nicht besser: Sie haben weniger Geld und ein völlig verödetes Land.

Der deutsche Tabakmulti Reemtsma importiert den Tabak aus Tansania. Das regt John Waluye so auf, dass er mit dem Team zusammen nach Deutschland fährt. Im verregneten Hamburg steht er vor dem Eingang des Tabakkonzerns. Der Pförtner lässt ihn mit einem Verantwortlichen übers Telefon sprechen. In die Kamera sagt er: „Sie lassen mich nicht rein. Aber ich will der Welt zeigen, was Reemtsma uns in Afrika antut.“

Zurück in Tansania, entdeckt Peter Heller eine ganzseitige Zigarettenanzeige in der „Daily News". Was passiert, wenn Waluye seine Kritik an den Konzernen schreibt? Wird er am Ende dafür gefeuert? Der Journalist ist unsicher. Er sagt, „wenn das passiert, dann schicke ich meine Artikel nach Hamburg, an diese eine Zeitung", damit meint er den „Spiegel“.

„R auchopfer“: 22 Uhr 10, Arte

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