Medien : Die ersten Worte

NAME

Ja, gut. Das war es dann also, dabei hat es nicht einmal richtig angefangen: Das Sammeln von Panini-Bildchen, das Auswendiglernen der acht Gruppen, die Abgabe der Tipps, das Aufregen über die deutsche Mannschaft – all diese Dinge zählen nicht mehr seit gestern Morgen, kurz nach neun Uhr, als Gerhard Delling den Satz sagte: „Die Stiefel sind geschnürt.“

Delling konnte sich auf diesen Moment, seine ersten Worte seiner ersten Moderation bei der Fußballweltmeisterschaft 2002, monatelang vorbereiten, aber er wählte eine Floskel. Was hat sich der Mann dabei gedacht? Man muss davon ausgehen: Einiges, denn er ahnt, dass wir Zuschauer, morgens um neun noch keine spektakulären Verbalattacken verkraften, deshalb unterhielt sich Delling mit Günter Netzer – beides Grimme- Preisträger – in einem Hamburger Studio über die WM-Mannschaften, während Waldemar Hartmann vor einem Klotz in Sapporo stand, in dem die deutsche Mannschaft wohnt. Sie alle boten gepflegte Langeweile, die nur von der Eröffnungsgala übertroffen wurde – zu der Michael Antwerpes Folgendes einfiel: „Hier wird Modernität mit Tradition verbunden.“ Ungefähr sechs Mal fiel ihm das ein, ungefähr sechs Mal musste er es loswerden. Und Netzer, der im Alter kleiner zu werden scheint, löste sein Versprechen, dass er in der Werbung gibt, nicht ein: „Der Kopf denkt, der Fuß versenkt.“ Einmal sagte er: „Die Messe ist gelesen.“ Eine Floskel, die man erst in einem Monat erwartet hätte.

Deshalb schließen wir diese Kolumne mit einer Prognose, nein, einer Prophezeiung: Der letzte Satz dieser Fußballweltmeisterschaft, der am 30. Juni gegen 15 Uhr im ZDF fallen wird, lautet: „Der Drops ist gelutscht.“ Seit Wochen die neue Lieblingsfloskel der Fußballkommentatoren – Jörg Dahlmann benutzte sie, Johannes B. Kerner auch. Wer allerdings den Drops zu Ende lutscht und wie er schmecken wird – das wagen wir nicht vorherzusagen. Matthias Kalle

0 Kommentare

Neuester Kommentar