Medien : Die falsche Diskussion

MDR stellt die Talkshow „Gysi und Späth“ ein: Zuschauer und Gremien streiten über Moderatoren, nicht über das Thema der Sendung

Joachim Huber

Die Talkshow „Gysi und Späth“ wird nach nur drei Ausgaben eingestellt. Dies hat MDR-Intendant Udo Reiter entschieden. Die Sendung „ruft eine weiterhin anhaltende, zu starke Polarisierung in den Gremien des MDR und bei den Zuschauern im Sendegebiet“ hervor, begründete Reiter das Aus.

Vor allem das Engagement des PDS-Politikers Gregor Gysi neben Jenoptik-Chef Lothar Späth hatte bei der CDU, namentlich beim thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, und bei Bürgerrechtlern zu scharfen Protesten geführt. Davon hatte sich Reiter unbeeindruckt gezeigt: „Gysi und Späth“ war am 20. Januar im MDR-Fernsehen gestartet und im Februar und März erneut live ausgestrahlt worden. Offensichtlich hatte der MDR-Chef darauf gesetzt, dass sich die öffentliche Diskussion von den Moderatoren weg und zu den Themen der Sendung hin bewegen werde. Das ist seiner Ansicht nach nicht gelungen: Wenn aber in der Öffentlichkeit nicht das Thema der Sendung im Vordergrund stehe, sondern fast ausschließlich heftig über die politische Gesinnung von Moderatoren gestritten wird, schade das der Glaubwürdigkeit eines Formates. Reiter hatte schon vorgebaut und angekündigt, dass der Sender nach drei Folgen über eine Absetzung oder Fortsetzung entscheiden würde. Der MDR-Rundfunkrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag für das Ende plädiert.

Im Schnitt schalteten 770 000 Zuschauer bundesweit die Sendung ein, bei leicht fallender Tendenz. Gysi und Späth sind über das Ende der Talkshow informiert worden. Gysi kommentiert die Entscheidung so: „Damit ist erwiesen, dass Opportunismus, politische Einflussnahme und Zensur in den Medien kein alleiniges Privileg der DDR war.“

Das Aus von „Gysi und Späth“ bedeutet nicht das Ende eines Talkshow-Formates im MDR-Fernsehen, das vor allem Themen aus Ostdeutschland aufgreifen soll. Am Montag, dem 14. April, davon gehen Sender und die Produktionsfirma TV 21 aus, wird wieder getalkt. Eines steht fest: Weder Gysi noch Späth werden moderieren.

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