Medien : Die „FAZ“ will ihr Magazin wiederbeleben

Christian Kämmerling, früher Chef des „SZ-Magazins“, arbeitet am neuen Konzept für das Supplement

Ulrike Simon

Sieben Jahre ist das „FAZ- Magazin“ tot. Geblieben sind Erinnerungen. Zum Beispiel an den legendären Fragebogen von Marcel Proust. Jeden Freitag, wenn das Supplement aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ herausfiel, blätterte man schon beim Aufheben nach der Seite mit den Antworten der Prominenten. Der eine oder andere wird sich vielleicht auch an die Kolumne des 1999 gestorbenen Publizisten Johannes Gross erinnern. Oder an die Illustrationen von Hans Hillmann. Woran noch? „An Bleiwüsten – und großartige Fotos. Und natürlich an die Fleckhaus-Optik“, sagt Markus Peichl, der einst „Tempo“ erfand. Willy Fleckhaus, das war der Grafikdesigner der 50er bis 80er Jahre. Er entwarf „Twen“, von ihm stammte das Logo der „Quick“, er stellte aus Russischem Brot den Schriftzug der Aktion „Ein Herz für Kinder“ zusammen. Und er war für die Gestaltung des „FAZ-Magazins“ verantwortlich.

All das ist lange her. Doch bald könnte es das „FAZ-Magazin“ wieder geben, meldet das Fachblatt „Kontakter“. Tatsächlich sitzt Christian Kämmerling mit einer Hand voll Helfern in Berlin, um ein neues Konzept für das Zeitungssupplement zu entwickeln. Weder Kämmerling noch die „FAZ“ wollen den Plan oder auch nur die Idee der fünf Herausgeber bestätigen.

Gerd Bucerius war es, der in Deutschland das Genre des Zeitungssupplements erfand. Die „Zeit“ wie alle anderen Zeitungen konnten früher nur schwarz-weiß drucken. Der Hamburger Verleger wollte aber auch an die Erlöse aus dem bis dahin nur Illustrierten vorbehaltenen Markt der Farbanzeigen. Aus diesem Grund führte er 1970 das „Zeit-Magazin“ ein. 1980 folgte das „FAZ-Magazin“. Die „Süddeutsche“ zog erst 1990 nach. Mitte der 90er brach der Anzeigenmarkt zusammen. In den großen Wochenmagazinen waren die Anzeigenpreise günstiger, Spots im Privatfernsehen schienen attraktiver. Eine gewisse Profillosigkeit und Beliebigkeit der Supplements taten ihr Übriges. Andreas Lebert, der das „SZ-Magazin“ entwickelt hatte und 1999 für die „Zeit“ arbeitete, wusste um die finanziellen Nöte dieser Blätter. Obendrein sah er keinen Sinn darin, einer Wochenzeitung ein Supplement beizulegen. Das „Zeit-Magazin“ wurde eingestellt. Stattdessen entwickelte Lebert die bis heute erscheinenden Seiten des „Zeit“-Ressorts „Leben“.

Wenige Wochen später folgte die Einstellung des „FAZ-Magazins“. Allen Gerüchten zum Trotz blieb einzig das „SZ- Magazin“ am Leben. Leicht war es nicht. Zumal „SZ“ und „FAZ“ ihre Magazine zuletzt im Verbund vermarktet hatten. Doch das „SZ-Magazin“ hat es geschafft. Mittlerweile verdient es Geld – und auch wieder Renommee. Im März dieses Jahres sagte Markus Peichl, Jury-Vorsitzender des Preises „Lead Award“ für herausragende Zeitschriftengestaltung, im Tagesspiegel: „Das ,SZ-Magazin’ ist zurück. Es glänzt wieder durch Ideenreichtum, Vielfältigkeit und Originalität.“ Das Magazin habe es geschafft, „die deutsche Institution des Zeitungssupplements zu retten“.

Der Journalist Ulf Poschardt hält es für möglich, dass das Genre des Zeitungssupplements eine Renaissance erleben kann – zumal er sich erinnert, welchen Innovationsschub das „SZ-Magazin“ der „SZ“ verschafft hat. Dort war er bis 2000 Chefredakteur – gleichberechtigt mit Kämmerling, den er als einen der besten Magazinmacher bezeichnet.

Das „FAZ-Magazin“ würde wieder gut in die Zeitungslandschaft passen, findet Andreas Lebert. Tatsächlich scheint nach einer auch für die „FAZ“ schwierigen Phase die Zeit reif zu sein für Neues. Die 2001 gestartete „Sonntagszeitung“ wird 2006 erstmals positiv zum Gewinn beitragen. Der Umsatz des gesamten FAZ-Konzerns stieg im vergangenen Jahr auf 473, der Jahresüberschuss auf 22 Millionen Euro. Doch die Auflagenschere zwischen dem Marktführer „SZ“ und der „FAZ“ als zweitplatzierte überregionale Zeitung des Landes klafft immer weiter auseinander. Vielleicht liegt es daran, dass die „FAZ“ nach wie vor mehr als Pflicht-, die „SZ“ mehr als Lustlektüre empfunden wird. Doch die „FAZ“-Leser wehren sich gegen jede kleinste Veränderung an ihrer Tageszeitung, das zeigte die letzte Layoutreform. Insofern wäre das Magazin als zusätzliches Leseangebot eine Möglichkeit, neue Leser anzusprechen, ohne alte zu verschrecken. Zudem könnte ein „FAZ-Magazin“ mit publizistischen Mitteln eine Mehreinnahmequelle schaffen, glaubt Peichl. Zumal ein Supplement andere Themenfelder abdecken kann und andere journalistische Formen erlaubt als eine Tageszeitung, sagen Lebert und Poschardt übereinstimmend.

Insider wissen: Schon im Frühherbst könnte die Entscheidung über den Neustart des „FAZ-Magazins“ fallen.

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