Medien : Die ganze WM findet in Ismaning statt

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„Spart, wo ihr könnt“, gab der neue Premiere-Chef Georg Kofler seiner Sportredaktion bereits im Februar mit auf den Weg, und so berichtet das Bezahlfernsehen aus dem angeschlagenen Hause Kirch nur noch mit halber Kraft von der Fußball-WM in Südkorea und Japan. Jedenfalls wurden die Kosten gegenüber den ursprünglichen Plänen um rund 50 Prozent auf unter zehn Millionen Euro gedrückt, wie Premiere-Sportchef Carsten Schmidt sagte.

Statt alle Spiele vor Ort zu kommentieren, werden allein Marcel Reif und Fritz von Thurn und Taxis bei 22 Partien im Stadion sitzen. Die übrigen 42 WM-Begegnungen werden „aus der Box“, also von Monitoren im bayrischen Ismaning aus kommentiert. Auch wird das WM-Studio nicht im Fernen Osten, sondern am Firmensitz im nahen Süden eingerichtet. Mit einer bescheidenen Mannschaftsstärke von knapp 50 Personen (inklusive Technikern) macht sich Premiere noch auf den Weg. Aus dem Quartier der deutschen Elf reportiert Patrick Wasserziehr. Auch an aufwändiger Kameratechnik wurde gespart.

Dass erstmals alle WM-Spiele nur im Pay TV zu sehen sein werden, feiert man bei dem tief in den roten Zahlen versunkenen Premiere als großen Coup. Ohne Zusatzgebühr werden die 2,4 Millionen Abonnenten rund um die Uhr auf bis zu fünf Kanälen über die WM informiert. Wer nur über das „Premiere Start“- Paket (fünf Euro) verfügt, muss allerdings noch 35 Euro zusätzlich für die WM-Kanäle bezahlen. Dort gibt es neben Live-Spielen und Studioanalysen jeweils eine 30- und eine 60-minütige Zusammenfassung, die ab 17 Uhr laufend wiederholt werden. Werden Partien parallel ausgetragen, gibt es eine Konferenzschaltung. Leverkusens Coach Klaus Toppmöller, den Nigeria am liebsten als WM-Trainer verpflichtet hätte, wird nun doch nur im Premiere-Studio als Experte auftreten. Wie übrigens auch Ottmar Hitzfeld, Udo Lattek, Lothar Matthäus, Bernd Schuster, Toni Schumacher und Franz Beckenbauer. Der begibt sich persönlich nach Asien und darf seine Analysen in einer Rubrik mit dem Titel „Schaun mer mal“ zum Besten geben. Die Hoffnung, dass durch die WM Abonnenten hinzugewonnen werden können, hat Premiere freilich aufgegeben. „Wir sind schon froh, wenn wir in diesen Tagen von großen Kündigungswellen verschont bleiben“, sagte Carsten Schmidt. Thomas Gehringer

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