Medien : Die heiligen drei Kabarett-Könige

Neustart des „Scheibenwischer“ mit Jonas, Schramm und Richling

Hannah Pilarczyk

Nicht in einem einfachen Stall, sondern in einem modernen, fast kühlen Studio treffen sich ab heute die drei Kabarett-Könige der ARD, Bruno Jonas, Georg Schramm und Mathias Richling, zum „Scheibenwischer“. In die Kulisse wurde bei der Überarbeitung der Mutter aller Kabarett-Sendungen offenbar die meiste Arbeit gesteckt. Ansonsten ist vieles beim Alten geblieben.

Nach dem Abschied von „Scheibenwischer“-Gründer Dieter Hildebrandt im Mai 2003 hatte sich sein Team Jonas / Schramm / Richling erstmal eine Kreativpause gegönnt. Und die war auch nötig: 23 Jahre lang war an dem Erfolgsrezept der Sendung (viel Hildebrandt, oft die gleichen Gäste) kaum etwas geändert worden. Wie sollte es ohne den Satire-Senioren weiter gehen?

„Wir sind ein Team, und das soll auch so ’rüberkommen“, beschreibt Mathias Richling die Neuaufstellung der Altgedienten. Kein Kreisen mehr um einen Star, sondern mehr gemeinsames Spiel soll es geben. Dafür wurden die musikalischen Live-Einlagen geopfert. Also kein Konstantin Wecker mehr, der oft für Hildebrandt schmetterte. Dafür gerne junge, unbekannte Gäste. Heute ist aber erstmal ein bekanntes Gesicht eingeladen: der Berliner Frank Lüdecke, der schon bei der letzten Sendung vor der Pause dabei war.

Dieter Hildebrandt soll übrigens selbst bald Gast im neuen „Scheibenwischer“ sein. Zu Gast in einer Sendung, deren Name, Renommee und Besetzung er geprägt hat – und an der sich trotz des Abschieds kaum etwas geändert hat. Eine Bürde für den Neuanfang? Nein, sagt Georg Schramm: „Dieter haben wir nicht im Gepäck, sondern im Gefühl!“ Die Zuschauer sollen spüren, dass der Geist der Sendung derselbe geblieben ist. Auch wenn dieser Geist jetzt später, nämlich erst um 23 Uhr, in Deutschland umgehen wird.

Ansonsten ist die kühnste Neuerung, dass ab sofort neben dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) auch der Bayerische Rundfunk (BR) die Sendung mitproduziert. Just der BR hatte für den schönsten Skandal um den „Scheibenwischer“ gesorgt: Im Mai 1986 schaltete er sich aus dem laufenden Programm wegen „nicht gemeinschaftsverträglicher Elemente“ aus. Was hat zu diesem Sinneswandel geführt? Die Kabarettisten sind ratlos. „Wir warten noch auf Ärger“, sagt Georg Schramm.

Solange es den nicht gibt, werden sich RBB und Bayerischer Rundfunk die zehn für dieses Jahr geplanten Sendungen teilen. Die ersten fünf werden in Berlin produziert, danach zieht die Sendung samt Kulisse nach München.

„Scheibenwischer“, ARD, 23 Uhr

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