Medien : Die Indiskretion des Boxers

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Vor genau zwanzig Jahren wird der deutsche Nato-General Günter Kießling aus dem Amt gejagt. Der Vorwurf: Kießling sei homosexuell und damit ein Sicherheitsrisiko für den Militärbetrieb. Die Sache stellt sich später als unwahr heraus. Ein Fall von sexueller Denunziation, den Autor Ulrich Panzer in seinem Feature „Es gab Geräusche, die auf Liebesakte schließen lassen“ dokumentiert. Die falsche Sexualität als Stolperstein auf dem Karriereweg. Autor Panzer zeigt, wie oft in Deutschland mit gezielten Indiskretionen Politik gemacht wird (Deutschlandradio, 10. November, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Wenn Manager ihre mentale Fitness stärken wollen, können sie dafür Therapeuten aller Art buchen. Neu auf dem Markt sind Boxseminare für Führungskräfte. In Georg Grubers kleinem Feature „Die Boxer mit dem weißen Kragen“ lernen wir einen Trainer kennen, der in Vorstandsetagen seine Dienste anbietet. Was bei Brecht noch kritische Metapher war, wird hier zum Werbeslogan: Boxring und Managerleben haben viele Gemeinsamkeiten. Es geht darum, in Konfliktsituationen nicht die Schlagkraft zu verlieren. Managerboxen boomt. „White collar boxing is the new golf“ titelte unlängst die „Financial Times“ (Deutschlandradio, 11. November, 14 Uhr 40).

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Naturgemäß sind wir in diesen Tagen mit der Vergänglichkeit beschäftigt. Das Laub modert, die Radioautoren zieht es hinaus zu den Friedhöfen. Dort haben Regina Kusch und Andreas Beckmann einen professionellen Umbetter getroffen. Seit vierzig Jahren gräbt Erwin Kowalke auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs anonym bestattete Leichen aus. In akribischer Detektivarbeit versucht er die Identität der Toten zu ermitteln, um ihnen ein würdiges Grab zu verschaffen und den Hinterbliebenen Klarheit. „Knochenarbeit“ heißt das Feature (Deutschlandfunk, 12. November, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

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Von sächsischer Abenteuerlust erzählen Olaf Rieck und Holger Jackisch im Feature „Atemnot gratis“. Sechs Leipziger Hobbybergsteiger erklimmen im Himalaya einen Achttausender. Fünf Jahre Vorbereitungszeit, 10 000 Euro Kosten pro Person. Während der ganzen Reise läuft ein Rekorder als akustisches Tagebuch. Auch die Atemnot auf dem Gipfel kommt stereo ins Haus (Kulturradio, 13. November, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

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Eric-Emmanuel Schmitts Bestsellerroman „Oskar und die Dame in Rosa“ gibt es nun in einer schönen Hörspielfassung. Hauptfigur Oskar hat Krebs und wird bald sterben. Die Eltern weichen den Fragen des Zehnjährigen aus, aber Pflegerin Rosa rät, jeden verbleibenden Tag wie ein volles Jahrzehnt zu leben. So durcheilt Oskar ein ganzes Menschenleben: Pubertät, erste Liebe, Midlife-Crisis, das Alter. In Briefen „an den lieben Gott“ erzählt er davon (SWR 2, 14. November, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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Manchmal kommen die Existenzkatastrophen ganz unscheinbar daher. Für die junge Zeitgenossin in Gesine Danckwarts Hörspiel „Heißes Wasser für alle“ ist das Leben zu einer Art Vorhölle geworden. Der Alltag zwischen Büro, Fitnessstudio und Szenetreff scheint komfortabel ausgestattet, aber in Wahrheit herrscht erbarmungsloser Konkurrenzdruck. Wer stellt das schönste Bild, wer spielt die beste Rolle? Im atemlosen Monolog versucht sie ihre Erfahrungen zu ordnen, aber die biografischen Rechnungen gehen nirgends auf (Deutschlandradio, 15. November, 0 Uhr 05).

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