Medien : Die King Kongs

Furchtlose Fernsehmacher beim Medienforum NRW

Thomas Gehringer

Nur nicht bange machen lassen: Das Medienforum NRW begann am Montag in Köln mit einem Gipfel der Optimisten. Von Unkenrufen, das gute alte Fernsehen werde in wenigen Jahren angesichts der digitalen Revolution nur noch eine Randerscheinung sein, wollte die achtköpfige Elefantenrunde nichts wissen. Das ist „natürlich Blödsinn“, erklärte Premiere-Chef Georg Kofler. „Das Fernsehen ist ein Massenmedium und die Massen lehnen sich nun einmal gerne zurück.“ Anke Schäferkordt von RTL urteilte kurz und bündig: „Der Zuschauer entscheidet nach Inhalten und nicht nach Verbreitungswegen.“ WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach steigerte dafür ein ehernes Gesetz der Medienbranche („Content is King“ – auf den Inhalt kommt es an) auf gewagte Weise: „Content is King Kong“. Soll heißen: Auch in Zukunft zähle nur, ob die Inhalte spannend und unterhaltsam seien – wie King Kong eben. Monika Piel wollte die eigentliche Revolution lediglich darin sehen, dass man sich Programme später orts- und zeitunabhängig noch einmal anschauen kann. „Das übliche lineare Fernsehen wird es auch in zehn Jahren noch geben“, sagte die WDR-Intendantin.

Von nennenswerter Sorge vor digitalem Wildwuchs, vor Internet- oder Mobilfernsehen war nicht viel zu spüren. Qualität lasse sich nur fürs Fernsehen produzieren, erklärte Kofler. Allein Spiele ließen sich als spezielle Internet-Angebote refinanzieren. Selbst für ein potentes Medienhaus wie RTL würde es noch ein paar Jahre dauern, bis sich Investitionen ins Internet lohnen, sagte Schäferkordt. Telekom-Chef René Obermann musste das indirekt bestätigen: Der Bonner Konzern hatte die Internet-Rechte an der Fußball-Bundesliga gekauft, doch die Nutzerzahlen bewegen sich bisher noch im mageren fünfstelligen Bereich. Man sei damit ein bisschen zu früh in den Markt gegangen, räumte Obermann ein. Im zweiten Halbjahr will man nun den T-Home-Kunden ein attraktiveres Programm bieten. Bis 2010 will die Deutsche Telekom 1,5 Millionen Kunden für ihr Internetfernsehen gewinnen.

Unity-Media-Chef Parm Sandhu, der für Arena mit enormen Summen die Pay-TV-Rechte an der Bundesliga erworben hatte, forderte wie Obermann einen Abbau rechtlicher Vorschriften. Sandhu will auch als Kabelnetzbetreiber die Programme stärker als bisher selbst vermarkten dürfen. Eine zentrale Frage lautet: Wie findet und bindet man in der digitalen Welt noch seine Kunden? Die Antwort in Köln lautete einstimmig: durch Qualität. Dies sei die „einzige Chance“ für die Medienhäuser, erklärte WAZ- Geschäftsführer Hombach. Im Internet gerate alles durcheinander: Schund, seriöse Informationen und bösartige Desinformationen. Wie Hombach sieht Piel für die Öffentlich-Rechtlichen die Aufgabe darin, Angebote im Internet anzubieten, „auf die man sich verlassen kann“. Zusätzliches Geld wolle die ARD dafür nicht verlangen.

Gute Zeiten also, um alte Gräben zuzuschütten. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers regte in Köln an, dass sich Verleger und Rundfunkintendanten an einen Tisch setzen und nicht mehr länger überlegen, „was man jeweils dem anderen verbieten kann“. Bodo Hombach und Monika Piel fanden das eine gute Idee. Verlage machen Fernsehen, Rundfunksender werden zu Online-Anbietern – auf dem Weg dorthin sind sie ohnehin schon. Bloß King Kong erwischt es am Ende des Films doch immer. Thomas Gehringer

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