Medien : Die Kommissarin

Hannelore Hoger als „Bella Block“: Auch im zehnten Jahr ist eine Folge besser als die andere

Thilo Wydra

„Die Freiheit der Wölfe bedeutet immer den Tod der Lämmer.“ Das habe sie mal so gehört, sagt Bella Blocks Assistentin Anke Richter. Doch da ist der Wolf bereits draußen und hat sein erstes Lamm gerissen, so wie damals vor zwölf Jahren, bevor er inhaftiert wurde. Sofort ist Bella Block der alte Fall präsent: Holger Kamp, Serienmörder, der Fauen auf bestialische Weise umgebracht hat, um ihnen zuletzt eine Dornenrose in den Unterleib zu stecken. Die findet man bei der Krankenschwester Marie Kupfe. Ist der Täter rückfällig geworden?

Serienmörder und Resozialisierung – auch die 17. Ausgabe von „Bella Block“ packt wieder ein heißes Eisen an. Im zehnten Jahr des Erfolgs-Krimis ist es die zweite Regiearbeit von Christian von Castelberg, nach „Bella Block - Abschied im Licht“ (1999). Nach dem überragenden Erfolg des 16. Falls, „Hinter den Spiegeln“, der eine selbst für dieses Format erstaunlich gute Quote von 7,3 Millionen Zuschauern hatte, dürfte es diese Folge etwas schwerer haben, trotz der beeindruckenden Schauspieler wie Hannelore Hoger, Rudolf Kowalski, Kathrin Saß, Karoline Eichhorn und Harald Krassnitzer.

Trotzdem: Es ist beinahe schon beängstigend, auf welch hohem Niveau sich diese lose Reihe, eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Fernsehen, ungebrochen hält. Das mag auch bei „Die Freiheit der Wölfe“ am dichten und sehr authentischen Drehbuch von Autorin Kathrin Bühlig liegen, die zuvor Dokumentarfilmerin war. Der neueste „Bella Block“ um die schnoddrig-nassforsche, offenherzig-warme Kommissarin aus Hamburg thematisiert die moralische Frage, ob man einen Serienmörder für immer wegsperren soll, oder ob man ihm im freien, offenen Maßregelvollzug helfen kann, ein zweites Leben zu beginnen.

Der Krimi ist ein kritischer Blick auf den Maßregelvollzug in Deutschland. Die Rückfallquoten beim Maßregelvollzug sind dreimal niedriger als die der Gefängnis-Inhaftierung mit vorzeitiger Entlassung durch gute Führung. Diese Ambivalenz macht der Samstags-Krimi deutlich. Dabei irrt sich selbst Bella Block. Das alles zeugt von redaktionellem Wagemut. „Bella Block“ ist eine der ganz wenigen Marken, bei denen Qualität und Quote auf gleich bleibendem Niveau gehalten werden – in der deutschen Fernseharmut eine absolute Rarität.

Fragt sich nur, wie lange Hannelore Hoger noch dabei ist, die Hauptdarstellerin. In der „NDR Talkshow“ neulich äußerte die mit Auszeichnungen (TeleStar, Adolf Grimme Preis, Goldene Kamera) überhäufte Schauspielerin ein leises Unbehagen darüber, immer nur auf „Bella Block“ angesprochen zu werden. Hoger drehte mit Alexander Kluge („Die Artisten in der Zirkuskuppel: ,Ratlos’", „Die Macht der Gefühle“) und mit Edgar Reitz (der Mehrteiler „Die Zweite Heimat“), rund zwei Dutzend Filme seit 1970.

Eben gerade spielt sie zum Beispiel wieder verstärkt Theater. Am 12. November hat die 62-jährige Schauspielerin Premiere im St. Pauli Theater mit dem Stück „Wer hat Angst vor Virginia Wolff“. Außerdem stellt Hoger ihre Popularität seit kurzem in den Dienst der Kampagne „Hinsehen. Handeln. Helfen!“ gegen sexuelle Gewalt an Kindern.

Dennoch bei Hannelore Hoger immer wieder das eine Thema: Bella Block, neben Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die Urmutter aller deutschen TV-Serien-Kommissarinnen. Solange die Bücher die Qualität wie das Buch heute von Kathrin Bühlig haben, wird Hannelore Hoger ihrer Paraderolle aber wohl treu bleiben. Hoffentlich.

„Bella Block - Die Freiheit der Wölfe“, ZDF, 20 Uhr 15

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