Medien : Die Kunst des stilvollen Klatschs

In „Park Avenue“ will Gruner + Jahr anrührende Geschichten interessanter Menschen erzählen

Ulrike Simon[Hamburg]

Schon bei der Begrüßung bittet Alexander Graf von Schönburg-Glauchau um eine Zigarette. Er hat also wieder angefangen, der Autor des Buches „Der fröhliche Nichtraucher. Wie man gut gelaunt mit dem Rauchen aufhört“. Und so wie früher, als er gelegentlich zum Glimmstängel griff, arbeitet der dreifache Vater auch wieder als Journalist. Die Zwischenzeit nach dem Rauswurf bei der „FAZ“ im Jahr 2002 bis Anfang 2005 hatte der 35-Jährige für das Schreiben von Büchern genutzt. Zuletzt erschien der Bestseller „Die Kunst des stilvollen Verarmens. Wie man ohne Geld reich wird“.

Schönburg, der Bruder von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und Maya Flick, ist das neue Aushängeschild von Gruner + Jahr. Sicherlich ist es nicht falsch zu vermuten, dass Schönburgs telegenes Auftreten, seine Prominenz und Eloquenz die Entscheidung beförderten, ihn als Chefredakteur des neuen Magazins „Park Avenue“ zu engagieren. Der Verlag verspricht sich sehr viel von dem Hochglanzheft, das erstmals am Dienstag erscheinen wird. Die zweite Ausgabe folgt im September, von da an kommt es monatlich. Sechs Euro kostet es, 200 000 Exemplare wurden vom ersten Heft gedruckt.

„Park Avenue“ wurde vielfach als die deutsche „Vanity Fair“ angepriesen. Es war der Traum schon vieler Journalisten, eine deutsche Version jenes amerikanischen Gesellschaftsmagazins zu entwickeln, das gerade mit der Enthüllung des Informanten „Deep Throat“ von sich reden macht. Schönburg mag den Vergleich nicht, schon allein, weil „uns ,Vanity Fair’ in vielem voraus ist“. Zudem könne man genauso gut die englische Zeitschrift „Tatler“, das Magazin der „New York Times“ oder der „Sunday Times“ zum Vergleich heranziehen. Außerdem erwecken solche Vergleiche Erwartungen, die vielleicht nicht erfüllt werden können, schon gar nicht auf Anhieb. „Give us some time, lasst uns etwas Zeit“, sagt er.

„Park Avenue“ sei ein Gesellschaftsmagazin mit einem Anspruch an Bild und Text, den Schönburg nirgendwo im deutschen Gesellschaftsjournalismus erkennen mag. Seriöse Zeitungen wie „FAZ“ oder „SZ“ fühlten sich seiner Ansicht nach meist zu fein, neigten zu Ressentiments und Blasiertheit, wenn es um die Berühmten und Reichen geht. Und die Gesellschaftsreporter von Blättern wie „Bild“ und „Bunte“ neigten wegen des permanenten Produktionsdrucks dazu, nicht mehr lange Geschichten recherchieren und nacherzählen zu können. Die Folge: Diese Blätter seien voller „Fake-Stars“ und C-Prominenz, die sich mit ihren Belanglosigkeiten der Presse selbst anbieten.

„Park Avenue“ will anders sein. „Uns interessieren Leute, die eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Das können auch Menschen sein, die mühelos unerkannt die Straße überqueren können“, sagt Schönburg. Gerade in Deutschland gebe es viele Unternehmerfamilien, von denen man kaum etwas wisse. Oder bedeutende Kunstsammler, die kaum einer erkennen würde, wären sie zu gesellschaftlichen Anlässen eingeladen, was leider auch nicht passiere. Solchen Menschen auch mal monatelang hinterherzurecherchieren, um auf mehreren Seiten ihre Geschichte zu erzählen, macht sich „Park Avenue“ zur Aufgabe. Da ist der russische Multimilliardär Roman Abramowitsch, dessen Lebensgeschichte erstmals so umfassend erzählt wird, da sind die Fotostrecke von Michael Comte mit Sebastian Koch und Alexandra Maria Lara, das (allerdings eingekaufte) Interview mit Tom Cruise zum Start des Films „Krieg der Welten“ oder die Geschichte von dem afrikanischen König, der im prallen Luxus lebt und mit seinem Hang, sich in seinen Palästen mit deutschen Produkten zu umgeben, zum Liebling der deutschen Exportwirtschaft wurde.

Schönburg ist überzeugt, dass es ein menschliches Grundbedürfnis ist, Geschichten erzählt zu bekommen. „Ich will, dass ,Park Avenue’ auch nach einer sechsstündigen Zugfahrt oder einem Nachmittag am Strand nicht ausgelesen ist, sondern Lesestoff für einen ganzen Monat bietet.“ Und: Das 240 Seiten dicke „Park Avenue“ soll ein Magazin sein, das man „in der Business Class gern neben sich liegen hat“, mit dem man „sich gerne sehen lässt“. Nicht einfach schön, sondern mondän, elegant und weltläufig möchte das Blatt sein. So wie der New Yorker Boulevard voller Menschen aus aller Herren Länder, der es den Namen verdankt.

Jemand hat mit Filzstift den Titel in Großbuchstaben auf einen DIN-A-4-Zettel geschrieben. Der Zettel hängt an der Tür, die in die Redaktion von „Park Avenue“ führt. Die zehn Redakteure sitzen in den Hamburger Verlagsräumen am Fleetrand, mit Blick auf das gegenüberliegende Gruner+Jahr-Gebäude.Einige sähen die Redaktion am liebsten in Berlin sitzen, um vom Flair der Hauptstadt zu profitieren. Ob sich Gruner + Jahr zu einem Umzug aufrafft, steht in den Sternen.

Zum Team gehören Peter Christmann, der die ursprüngliche Idee zu dem Magazin hatte, Helge Timmerberg ist der Textchef, Udo Ulfkotte und Andrea Freund waren beide früher bei der „FAZ“, Creative Director ist Markus Thommen, und Anke Degenhard kümmert sich um die Kontakte zu den großen Fotografen. Gustav Seibt, Michael Jürgs, Michael Graeter, Willi Winkler, Henryk M. Broder – das sind einige der Autoren der ersten Ausgabe. Als „Mentor“ wurde Schönburg Klaus Liedtke zur Seite gestellt. Liedtke, 61, ist der erfahrene Blattmacher, der den Verlag seit Jahrzehnten kennt und den Neulingen unter die Arme greifen soll. Er ist als Herausgeber auch der „Verantwortliche im Sinne des Presserechts“, Chefredakteur jedoch ist Schönburg, der in Erinnerung an seine Zeit unter Beate Wedekind oder Franz Josef Wagner bei „Bunte“ und „B.Z.“ sagt, „ich habe einen zu großen Teil meines Lebens schon als Einflüsterer von Chefredakteuren verbracht“.

Für den Vorstandsvorsitzenden von G+J, Bernd Kundrun, und für Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz hängt einiges ab vom Erfolg des neuen Magazins. Es geht darum, für G+J die Position zurückzuerobern, Impulsgeber für die Branche zu sein. Wie der ins Leben gerufene Henri-Nannen-Preis dient auch „Park Avenue“ dazu, internationalen Glanz auszustrahlen, den Qualitätsanspruch und die Attraktivität des Hauses für journalistische Talente unter Beweis zu stellen. Auch strategisch hat „Park Avenue“ eine Bedeutung, erhofft sich G+J damit doch Zugang zu Premiumwerbekunden, die für ihre Luxusgüter in Titeln wie „Vogue“ warben. „Park Avenue“ wäre das erste Hochglanzmagazin, das sich an Frauen und Männer gleichermaßen wendet.

Das Magazin

„Park Avenue“ erscheint erstmals am Dienstag und von September an monatlich.

Der Chefredakteur

Alexander Graf von Schönburg-Glauchau ist der Bruder von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis und Maya Flick. Zuletzt machte er als Buchautor von sich reden.

Journalistische Erfahrungen sammelte der 35-Jährige unter anderem beim deutschen „Esquire“, bei „Bunte“, „B.Z.“, „Zeit“ und bei den Berliner Seiten der „FAZ“.

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