Medien : Die Latzhose geht, der Bauwagen bleibt

Guido Hammesfahr wird als Fritz Fuchs durch den Kinderfernsehklassiker „Löwenzahn“ führen

Barbara Bückmann

Die Latzhose von Peter Lustig ist eingemottet. Fritz Fuchs, der neue Bauwagen-Bewohner beim Kinderfernsehklassiker „Löwenzahn“, trägt eine Outdoor-Hose zum widerspenstigen Haarschopf. Guido Hammesfahr spielt den Neuling als tatendurstigen Jungspund. Die erste Staffel wurde gerade abgedreht, die neuen Folgen starten im Oktober. Langweilig wird es mit ihm bestimmt nicht, dafür garantiert schon mal das breite Grinsen im Gesicht.

Bekannt wurde er mit dem Comedy-Erfolg „Ladykracher“. Der sportliche Schauspieler – er ist Hobby-Segler – gehörte zum Team, das Frontfrau Anke Engelke die Pointen zuspielte. Nach wie vor schwärmt er von der subtilen Komik. Zuletzt trat er in der Sketch-Reihe „Zack!“ (Sat 1) und den Gag-Einspielern der „Cordula-Strathmann-Show“ (WDR) auf, fühlte sich aber in deren Humor-Ecke nicht mehr so wohl. Nun macht er eben „Familienfernsehen“, so versteht er die „Löwenzahn“-Zielgruppe. Angst, mit seiner neuen Hauptrolle in der „Onkel-vom-Kinderprogramm“-Ecke zu landen, hat er nicht. „Ich bringe da ja auch das Bestmögliche. Und versuche, die Figur so unverstellt wie möglich anzulegen. Man sollte nicht so tun, als ob die Kinder schwer von Begriff sind.“

Der 38-Jährige ist froh, mal nicht auf dem „Comedy-Karussell“ zu fahren. „Da herrscht ein ungeheurer Konkurrenzdruck. Irgendwann überträgt sich das aufs Private, wo alle ständig erwarten, dass du etwas Lustiges sagst.“ Doch als 2004 plötzlich Schluss war mit „Ladykracher“ – Engelke gab die Reihe für später gefloppten Late-Talk auf –, herrschte statt Konkurrenz- plötzlich Existenzdruck. Bei ihm in der Schublade liegt noch das Drehbuch für die Comedy-Krimi-Serie, die er in der Zeit schrieb. Der Plot: Arbeitslose Schauspieler übernehmen eine Detektei.

Mit ihm als neuem Protagonisten soll indes auch das komische Element bei „Löwenzahn“ ausgebaut werden. Dafür ist nicht nur der bärbeißige wie schwergewichtige Nachbar Paschulke zuständig, der weiter zum festen Ensemble gehört. Kollegen von der komischen Fraktion wie Hans-Werner Olm und Piet Klocke, aber auch Andreas Schmidt („Sommer vorm Balkon“) haben Gastauftritte. Die dürfen sich dann zum Clown machen, während Hammesfahr als „straight man“, so heißt es im Comedy-Jargon, den Ball flach hält. Im Mittelpunkt der traditionsreichen und aufwändig produzierten Sendung – gedreht wird auf Filmmaterial – steht jedoch nach wie vor das Forschen und Entdecken. Er habe in jeder Folge etwas dazugelernt, erzählt der ausgebildete Bühnen- Schauspieler. Den Unterschied zwischen Starrflüglern (Flugzeuge) und Drehflüglern (Hubschrauber) erklärte ihm der Helikopter-Pilot, mit dem er für eine Folge über Strausberg aufstieg.

Wie er da vor laufender Kamera ins Cockpit klettert und an den Instrumenten herumspielt, das hat durchaus etwas Kindliches. „Diese Naivität habe ich mir bewahrt“, meint Hammesfahr. Aber ist diese liebevolle und etwas umständliche Art der Wissensvermittlung noch zeitgemäß, erreicht man den Siebenjährigen, der alle Folgen von „Herr der Ringe“ gesehen hat und Yu-Gi-Oh-Monsterkarten sammelt? „Ich glaube, ja, wenn man den direkten Zugang sucht, braucht man den ganzen Trick-Zauber nicht“, ist der Fritz- Fuchs-Darsteller optimistisch.

Hammesfahr ist im Westerwald groß geworden, in Linkenbach, einem Flecken zwischen Köln und Frankfurt. Als Kind habe er gern „Löwenzahn“ gesehen, seine Lieblingsserie aber war „Neues aus Uhlenbusch“ mit Hans-Peter Korff als Onkel Heini. „Weil das Leben in Uhlenbusch sich so abspielte wie bei mir im Dorf.“ Auch an die „Augsburger Puppenkiste“ kann er sich erinnern. Zumindest haben er und die Brüder einmal versucht, das legendäre Zellophan-Meer nachzubauen.

Daran versuchte sich auch Sat 1, das unlängst ein „Urmel“-Remake auf den Schirm brachte, Räuber Hotzenplotz“ wurde neu verfilmt, und gerade erst kam „Hui Buh“ ins Kino. Hammesfahr beobachtet die derzeitige Kindheits-Nostalgie-Welle eher verwundert. „Vielleicht liegt es daran, dass es in der Generation der Macher viele Singles gibt, die die Dinge, die sie früher toll fanden, nicht an ihre Kinder weitergeben können und dann diese Form dafür suchen.“

Er hat allerdings auch einen Faible für Nostalgisches – und fährt einen mausgrauen Citroen DS, wie es sie früher in jedem Krimi gab. Der trägt Kölner Kennzeichen, obwohl er sich mittlerweile eine Bleibe in Berlin-Wilmersdorf gesucht hat. Schließlich wird hier im Spätsommer die nächste „Löwenzahn“-Staffel gedreht. Ohnedies tritt er seit Jahren regelmäßig in der Vagantenbühne auf.

Dem Theaterspielen will er treu bleiben, weil er es als gutes Korrektiv empfindet: „Das ist eine direktere Form der Auseinandersetzung, mit dem Publikum und mit den Themen.“

Auch wenn er jetzt in der Hauptstadt wohnt, heimisch fühlt er sich eher im Rheinischen. Die Wohnung im Kölner Agnesviertel gibt er nicht auf. „Der Rheinländer ist doch etwas kommunikativer“, sagt Hammesfahr, „das Aggressionspotenzial geringer.“

Seinen ersten Großstadt-Dialog belauschte er in einem WG-Zimmer in Mitte: „Morgens hörte ich, wie unten jemand im Hof etwas in den Müllcontainer warf. Von oben kam es: ‚Ruhe‘, von unten: ‚Schnauze‘“.

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