Medien : Die Medien der Welt im Blickpunkt

Interview mit John Owen von News XChange

Mr. Owen, bitte erklären Sie unseren Lesern, was es mit der Fachkonferenz News Xchange, deren Gastgeber in diesem Jahr in Berlin die Deutsche Welle DW-TV ist, auf sich hat.

News Xchange bringt – jetzt schon im sechsten Jahr – die Köpfe der Medienwelt zusammen. Die Konferenz ist ein one-stop-shop für alle, um sich über Themen und Trends auszutauschen. Die Nachrichtenagenturen treffen ihre Kunden, es gibt Gelegenheit, mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen und aus der Politik zu diskutieren. Hauptsächlich geht es um Medieninhalte, aber die wirtschaftlichen Aspekte spielen auch eine Rolle. Ebenso ethische Belange. Die Teilnehmer können ihre Blackberrys liegen lassen und müssen nicht an ihre Meetings daheim denken. Sie dürfen in Ruhe über das, was sie tun, reflektieren. Bei News Xchange können sie herausfinden, was in nächster Zeit ansteht.

Was steht denn an?

Ich will noch nicht allzu viel verraten, aber es wird einen provokativen Essay von Chris Cramer geben, in dem der CNN-Mann uns an seinen Erwartungen für die Zukunft teilhaben lässt. Aus Deutschland kommt eine wichtige technologische Neuerung: Ein tragbares Einmannstudio.

Wo kommen die Teilnehmer von News Xchange her?

Der größte Teil immer noch aus Europa und Nordamerika. Doch es gibt immer mehr Teilnehmer aus Asien. Vor allem der Nahe Osten ist in diesem Jahr stark vertreten. Der Journalismus dort entwickelt sich rasant. Die arabischen Medien haben den Laden richtig aufgemischt.

Der Nachrichtensender Al Dschasira hat sich etabliert. Nun ist ein afrikanisches 24-Stunden-TV geplant. Sie sind an den Vorbereitungen beteiligt. Wie kommen Sie voran?

Wir hoffen, dass der Kanal im kommenden Jahr von Nairobi aus auf Sendung geht, vielleicht aber auch erst Anfang 2009. Die Finanzierung steht noch nicht ganz. Was uns in Afrika sehr hilft, ist die technologische Entwicklung hin zu kleineren Geräten und Studios und die zunehmende Abdeckung des Kontinents mit Mobilfunknetzen. News Xchange erweitert seinen Blick auch in Richtung Osten. Russland ist diesmal einer der Schwerpunkte der Konferenz. Die ARD wird hier die Debatte leiten. Wir werden uns fragen, ob wir uns in der internationalen Berichterstattung nicht zu sehr an der Weltsicht des Präsidenten Putin orientieren. Das wird eine tolle Diskussion. Wir haben unter anderem die Chefredakteurin von „Russia Today“ zu Gast.

Das Thema Russland passt gut zu einem anderen Schwerpunkt der Konferenz: Die Sicherheit von Journalisten. Was wollen Sie in dieser Hinsicht erreichen?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, über den sich Redaktionen noch viel zu wenig Gedanken machen. Wie sind sie zum Beispiel auf Entführungen vorbereitet? Haben sie Codeworte vereinbart, die ihre Mitarbeiter im Fall von Entführungen in Botschaften an die Außenwelt verwenden können? Wie gehen Medien mit Lösegeldforderungen um? Wer kümmert sich um die Angehörigen? Wo gibt es die beste Betreuung bei posttraumatischem Stress? Wir sind besonders stolz, dass Alan Johnston zu uns nach Berlin kommt und von seinen Erfahrungen berichtet.

Wie geht es dem BBC-Reporter nur wenige Wochen nach seiner langen Geiselhaft in Gaza?

Ich bin sehr beeindruckt von der Distanz, die er bereits gewonnen hat, seiner Fähigkeit den eigenen Fall kühl zu analysieren. Zu vergeben, ohne das Verhalten seiner Entführer zu rechtfertigen. Zum Glück ist bei ihm alles gut ausgegangen. Doch was geschieht mit weniger prominenten Mitarbeitern, freiberuflichen Reportern und Fotografen, vor allem den einheimischen Informanten? Der afghanische Journalist Ajmal Naqshbandi arbeitete für eine italienische Zeitung. Deren Korrespondent wurde nach einer Entführung freigelassen, Naqshbandi wurde umgebracht.

Das Interview führte Markus Hesselmann.





John Owen
ist Executive Producer der News XChange und Visiting Professor für internationalen Journalismus an der City University London

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