Medien : Die Medien schlagen zurück

Chefredakteure wehren sich gegen Schröders Boykottpolitik

Ulrike Simon

Der Streit zwischen der „Bild“-Zeitung und Bundeskanzler Gerhard Schröder geht in eine neue Runde. Am Freitag haben sich auf Initiative der „Bild“-Zeitung mehrere Chefredakteure großer Blätter zusammengeschlossen und an den Vorsitzenden der Bundespressekonferenz (BPK), Werner Gößling, einen Brief geschrieben. Darin wird Bezug genommen auf die Aussage von Regierungssprecher Béla Anda, er behalte sich vor, künftig Reporter gezielt von der Begleitung bei Auslandsreisen des Kanzlers auszuschließen. „Damit bestätigt er, dass die jüngsten Ausladungen eine Reaktion auf kritische Berichterstattung in den betroffenen Medien gewesen sind.“ Anda hatte kürzlich je zwei Reporter vom „Stern“ und von der „Bild“ nachträglich ausgeladen, hatte es zunächst jedoch mit Platzmangel begründet. Zudem bekräftigte Anda am Freitag erneut, dass „Bild“ keine Interviews mit dem Kanzler mehr bekommen werde. Dies gelte bis zum Ende der Amtszeit des Kanzlers.

In dem Brief an die Bundespressekonferenz beziehen sich die unterzeichnenden Chefredakteure ausdrücklich auf die Versuche früherer Bundesregierungen, „Medien wegen unbotmäßiger Berichterstattung zu boykottieren“ – womit auf die Regierung Helmut Kohl angespielt wird. An den Vorsitzenden der BPK gerichtet heißt es in dem Schreiben: „Wir möchten Sie daher bitten, den geschilderten Vorgang in der Bundespressekonferenz zu thematisieren, eine offizielle Reaktion zu beschließen und Herrn Staatssekretär Anda aufzufordern, seine Boykottpolitik umgehend zu beenden.“ Anda habe nicht nur seine Kompetenzen als Beamter überschritten, sondern zugleich die Freiheit der Berichterstattung in Frage gestellt. Unterzeichnet haben die Chefredakteure von „Bild“, „Stern“, „taz“, „Financial Times Deutschland“, „Berliner Zeitung“ und Tagesspiegel. Die nächste Mitgliederversammlung der BPK tagt am kommenden Montag.

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