Medien : Die Möbel machen die Musik

Klingende Wohnungseinrichtung: Designer entdecken den Spieltrieb bei der Gestaltung von Tischen, Leuchten und Kleiderbügeln

Elfi Kreis

Ein Tisch zum Trommeln, das Didgeridoo als Designleuchte und klingende Kleiderbügel: als Trend hält nun auch die musikalische Späterziehung für Erwachsene Einzug in Wohn- oder Schlafzimmer. Schon seit geraumer Zeit setzt die Einrichtungsbranche verstärkt auf Möbel und Accessoires, die nicht allein optisch ansprechend und zweckdienlich sind, sondern die auch Spaß machen und den Spieltrieb ihres künftigen Besitzers befriedigen wollen. Das Zauberwort Multifunktionsmöbel gibt dabei den Takt vor.

Nun aber entwickeln Möbeldesigner wie Lorenzo Damiani für den italienischen Markendesign-Hersteller „Campeggi“ oder das Berliner Designerteam „roomsafari“ Möbel und Objekte für die heimischen vier Wände, die als Soundsysteme der bislang unbekannten Art dem Ohr etwas bieten.

Mit den Fingern auf einer Tischplatte herumtrommeln, das war einmal. Auf der diesjährigen Mailänder Möbelmesse stellte die in Como ansässige Firma Campeggi als Neuheit den Tisch „Tumb Tumb“ von Lorenzo Damiani vor, der die Sinnesfreude seines Besitzers auch akustisch stimulieren will. Damit das Klangvolumen des Möbelstücks hält, was sein lautmalerischer Name verspricht, ist die kreisrunde Abstellfläche keine herkömmliche Tischplatte, sondern tatsächlich mit einem Trommelfell bespannt. Der orangerote Beistelltisch ist in zwei unterschiedlichen Größen erhältlich, bei denen Durchmesser sowie Höhe variieren.

Der 34-jährige Designer, für seine innovativen Ideen mit allerhand Preisen bedacht, setzte im vielstimmigen Chor junger Designertalente Italiens schon mehrfach Akzente, die aufhorchen lassen. Ebenfalls für den experimentierfreudigen Hersteller Campeggi entwickelte Damiani zuvor bereits seinen „Airpuff“. Die bunte, poppige Polsterkugel zum Sitzen sorgt für einiges Aufsehen. Denn nichts an ihrem knuffigen Äußeren verrät, dass sich im Innern ein Motor versteckt, durch den sich der Hockersitzball im Handumdrehen in einen Staubsauger verwandeln lässt.

Wie Zukunftsmusik klingt auch die Doppelfunktion des „DidjLIGHT“, zugleich eine Designleuchte und ein Didgeridoo. Wer die Glasröhre der Stehleuchte vom Sockel nimmt, hält ein funktionsfähiges Musikinstrument in den Händen. Die australischen Ureinwohner fertigen Didgeridoos traditionell aus Eukalyptusholz. Daraus hat die Düsseldorfer Firma Treibholz eine Hightech-Variante in Glas entwickelt. Ihr Didgeridoo besteht aus einer abnehmbaren, mattierten Glasröhre von 1,25 Meter Länge, die senkrecht auf einem Edelstahlsockel sitzt. Darin ist eine Halogenbirne integriert, die senkrecht nach oben strahlt. So wird der lange, schmale Glaszylinder von unten durchleuchtet und entwickelt die atmosphärische Qualität einer Lichtskulptur. Zusätzlich können bunte Glasfilter in Rot, Gelb, Blau oder Grün eingesetzt werden, um das Licht farbig nach eigener Wahl zu gestalten. Das Glasinstrument besitzt ein konisch auslaufendes Fußende, das zum Schalltrichter wird, wenn man das Instrument von seinem standfesten Sockel genommen hat und hineinbläst. Damit der Korpus zu einem echten Gebrauchsgegenstand werden kann, kommt ein Spezialglas zum Einsatz, das besondere Bruchfestigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen garantiert. Dieses Borosilikatglas kommt für Laborgeräte und beim Kochen zum Einsatz und ist vielen unter dem Namen „Jenaer Glas“ ein Begriff.

Das minimalistische Design und die originelle Idee des DidjLight war dem Design-Zentrum Nordrhein-Westfalen die Auszeichnung mit einem „red dot award“ für Produktdesign wert. Wer das erste Mal auf einem Didgeridoo spielt, muss feststellen, dass die Beherrschung des Instruments einige Übung erfordert. Damit der stolze Besitzer bald auch die musikalischen Klänge bei seiner auf „Cis“, „Dis“ oder „B“ gestimmten Leuchte erstrahlen lassen kann, hat der Hersteller neben dem Mundstück auch eine Spielanleitung samt Lern-CD beigelegt.

Den klingenden Kleiderbügeln aus Aluminium von „roomsafari“ Töne zu entlocken, ist da wesentlich einfacher. Man braucht nur zwei Exemplare nebeneinander zu hängen, schon tönt es fast wie von selbst. Schon der Name „Triangel“ verrät, wie die auf das Notwendigste reduzierte Minimalform aussieht: ein Dreieck mit wohlgerundeten Ecken, links oben fehlt ein Stückchen. Das macht den Hacken überflüssig und gibt dem auch als Orff’sches Instrument einsetzbaren Kleiderbügel seinen klaren, formschönen Linienschwung.

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