Medien : Die multiplen Abkassierer

Norbert Thomma

Oliver Bierhoff ist eine multiple Person. Er ist...

a) Teammanager der deutschen Nationalmannschaft

b) Fußballprofi im Ruhestand (Europameister ’96)

c) so genannter Experte bei Sat 1

d) geföhnte Werbefigur für Bier und vieles mehr.

Wäre Bierhoff nur ein Ex-Profi, würde er bestenfalls zum so genannten TV-Experten taugen. Seine zahlreichen Werbeverträge bekommt er als Funktionsträger, als Teammanager. Es ist nicht einfach für den multiplen B., zu wissen, wer er denn nun gerade ist. Wenn ihn Sat 1-Reporter als Experten fragen, wie es denn mit dem Verhältnis zwischen Kahn und Lehmann aussehe, fragen sie eigentlich den Teammanager, denn der könnte es wissen. Dafür sagt Bierhoff einen Satz wie: „Wir übertragen auch das Spiel nächste Woche“; ganz so, als sei er nicht der Experte, sondern ein Vertreter des Senders. Im folgenden Werbefilm klopft B. an ein haushohes Glas Bier; es gab Zeiten, da war Alkohol für Fußballoffizielle ein Tabu, weil Besoffene die Stadien zu Schlachtfeldern machten oder wie in Frankreich Polizisten jagten. Als Teammanager hätte B. sicher kein Problem, für den DFB eine Anti-Drogen-Kampagne massiv zu unterstützen.

Derlei Verquickung von Amt, (Medien-) Geschäftemacherei und Bigotterie ist normal geworden. Von einem besonders bizarren Fall hat nun Jürg Altwegg berichtet, Kulturkorrespondent der „FAZ“: Der französische Nationaltrainer Raymond Domenech ist mit der TV-Journalistin Estelle Denis liiert, der er exklusiven Zugang ins Trainingslager verschaffte; und für ein exklusives Interview kassierte er 50 000 Euro, Madame Denis für ihre Fragen immerhin 10 000 Euro.

Solche Probleme hat der multiple Bierhoff nicht: Er könnte als Experte den Teammanager interviewen – im Selbstgespräch.

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