Medien : Die Natur schafft, die Kultur wacht

Tom Peuckert

Detektiv Gass ist nicht zu beneiden. Zwar hat er kaum berufliche Konkurrenz in Potsdam, aber Aufträge für private Ermittler gibt es hier ebenso wenig. Jetzt fehlt ihm sogar das Geld für die Miete. Im amüsanten Kriminalhörspiel „Der schöne Schein“ von Wolfgang Zander rettet sich Gass zunächst einmal in grimmige Weltschmerzmonologe. Bis plötzlich gleich zwei Klienten vor der Tür stehen. Sein Hauswirt, der ihn als Mann fürs Grobe engagieren will, und eine bekannte Serienschauspielerin, die angeblich von ihrem Sohn erpresst wird. Gass lässt sich durch halbkriminelle Potsdamer Verhältnisse treiben, und nur seine Ironie kann ihn vor dem Schlimmsten bewahren. (Deutschlandfunk, 23. September, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz)

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Einerseits scheinen Äpfel vollkommen harmlos. Andererseits lässt sich an ihnen der Kampf zwischen Natur und Kultur eindrucksvoll demonstrieren: Wie die Natur eine wuchernde Fülle von Formen hervorbringt und die Kultur dann versucht, dieses dingliche Chaos in eine vernünftige Ordnung zu zwingen. In ihrem Feature „Die Pomologen“ erzählt Alexa Hennings die ganze Geschichte des Apfels. Die Natur ließ tausende Apfelsorten wachsen, aber im 19. Jahrhundert trat der Pomologe auf den Plan. Der Apfelwissenschaftler versuchte, das Chaos zu kategorisieren und rückte ihm später mit geballtem Know-how zu Leibe. (Deutschlandradio Kultur, 23. September, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz)

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Eigentlich wollte Autor Paul Plamper nur eine Satire auf das zeitgenössische Musikgeschäft produzieren: Wie man mit Hilfe frei verkäuflicher Lehrbücher in die Charts der Popmusik vordringen kann. Plampers Hörspiel „Top Hit leicht gemacht“ erzählt von einigen Musikfreunden, die im Studio versuchen, einen Popsong aus der Retorte zu zaubern. Interessanterweise werden Plampers Kunstfiguren mit einem Auftritt im wirklichen Leben belohnt. Der im Hörspiel erarbeitete Song „I can see it in your eyes“ schaffte es tatsächlich auf Platz 37 der deutschen Singlecharts. (Kulturradio, 24. September, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz)

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Vor genau 100 Jahren kam Dmitrij Schostakowitsch in Sankt Petersburg zur Welt. Der Themenabend „Musik als geheime Botschaft“ erzählt von Leben und Werk des Komponisten. Zu hören sind der Mitschnitt einer Uraufführung aus dem Jahr 1967 und Auszüge aus allen Genres seines Schaffens. (Deutschlandradio Kultur, 25. September, 20 Uhr 03)

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Vor 35 Jahren wurde das Kreuzberger Bethanien-Haus zum ersten Mal besetzt. Die Band „Ton Steine Scherben“ komponierte einen zündenden Protestsong. Im Herbst 2005 zogen erneut politische Aktivisten ins Bethanien. Zwischen beiden Ereignissen liegen Jahrzehnte des Kampfes um leer stehende Immobilien in Berlin. In seinem Feature „Das war unser Haus“ bilanziert Peter Kessen Ursachen und Wirkungen der Berliner Hausbesetzerei. (Deutschlandfunk, 26. September, 19 Uhr 15)

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