Medien : Die Nescafé-Bahn

Reinhard Siemes

Der Anteil der Werbekampagnen, in denen Promis den Verbrauchern etwas vormachen, ist in den vergangenen zehn Jahren von drei Prozent auf 15 Prozent gestiegen. Das führt im Werbefernsehen mitunter zu seltsamen Konstellationen: Vor einer Minute noch war Harald Schmidt mit seiner rote Nescafé- Tasse im einem Aufzug zu sehen. Jetzt blödelt er müde für die Bahncard. Die gibt es jedoch nicht in den Karstadt-Häusern, für die er vor einem Jahr gewitzelt hat. Genauso wenig hat sie die Erkältung verursacht, die Schmidt für den Arzneimittel-Hersteller Hexal im TV vorleidet. Dieter Bohlen, Deutschlands Märchen-Erzähler für Arme (er weiß, warum er schreiben lässt), macht Modern Surfing mit O2, albert für Müller Milch und fährt auf dem Dach eines Autos die gesammelten Gegenstände eines Mediamarkts spazieren. Derweil lässt Verona Feldbusch für einen Kosmetik-Hersteller ihr rotbraunes Haar schwingen. Dass es so trefflich fällt und voll aussieht, liegt am Rahmspinat.

Der bayerische Klugredner Franz Beckenbauer hingegen wirbt für jeden und alles, Hauptsache es macht keinen Sinn. Zurzeit spielt er aber nicht Golf für den Stromversorger EnBW (der ist tief in den roten Zahlen). Sondern für die Postbank, was extrem glaubwürdig ist. Für die Post selbst fahren die Gottschalk-Brüder zum Turm von Pisa oder zur chinesischen Mauer. Das ist für Thomas Gottschalk nicht immer ganz einfach: Er muss die Post-Termine und die Drehs für Haribo unter einen Hut bringen. Boris Becker ist im Moment außen vor. Die Schumacher-Brüder machen sich zurzeit auch ein bisschen rar.

Darum eine Testfrage: Wer von beiden hat für das würzige Königs Pilsener geworben? Klar doch, der Ralf. Nur hieß es anders: Bitburger. Oder war es Krombacher? Weder noch, ein Fläschchen Warsteiner stand auf Ralfs McLaren. Michael hat derweil für Fiat den Sonntagsfahrer gemacht. Möglich, dass ich mich irre. Es können auch die Reifen von Bridgestone gewesen sein. Aber keinesfalls Bitbuger. Oder doch?

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