Die Neue im "Literarischen Quartett" : Von Trump zu Thea Dorn

Das „Literarische Quartett“ ab Freitag mit neuer Besetzung: Hoffentlich bleibt es in der Kritikerrunde so bissig wie mit Thea Dorns Vorgänger, Maxim Biller.

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Maxim-Biller-Nachfolge. Thea Dorn war schon mal Gast im „Literarischen Quartett“.
Maxim-Biller-Nachfolge. Thea Dorn war schon mal Gast im „Literarischen Quartett“.Foto: dpa

Noch einmal also Maxim Biller. Mit deutlichen Worten hat der Schriftsteller seinen Abschied aus der ZDF-Literatursendung „Das Literarische Quartett“ erklärt: „Wegen der Kohle werde ich nicht mein Leben zerstören“, sagte der 56-Jährige dem „Zeit-Magazin“. „Ich war doch schon Teil des Betriebs. Aber ein echter Schriftsteller kontrolliert sich nicht.“ Biller gehörte seit der Wiederaufnahme der Sendung im Oktober 2015 neben Volker Weidermann und Christine Westermann zu den Gastgebern. Dort gab er oft den Bad Guy. „Ich war kurz Donald Trump“, sagte Biller dazu. Im Januar erklärte er seinen Ausstieg.

Sein Nachfolger, besser, seine Nachfolgerin ist auch eine Schriftstellerin: Thea Dorn. Diese sieht offenbar keine Gefahr, wegen der Kohle vom ZDF ihr Leben zu zerstören. Als Moderatorin für Arte und einer Literatur-Sendung beim SWR war die 46-jährige Autorin schon vor der Kamera zu sehen. Sie gehört also zum Betrieb. Sie streite gerne über Literatur, sagte Thea Dorn im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur vor ihrer Premiere in der Literatursendung an diesem Freitag, 23 Uhr.

Bücher lese sie lieber gedruckt, nicht digital. Und nicht immer zu Ende: Wenn es um ihr privates Vergnügen geht, haben langweilige Werke wenig Chancen. Nach einem Fünftel des Buchumfanges ist entweder Schluss, oder es geht weiter mit der Lektüre.

Thea Dorn schreibt selbst Romane, Essays und Drehbücher und ist seit 40 Jahren leidenschaftliche Leserin. Als die Anfrage kam, beim „Literarischen Quartett“ mitzumachen, hat sie kurz gezögert: „Ein paar Tage Bedenkzeit habe ich mir schon erbeten“, sagt sie. „Die Frage, die ich vor allem mit mir klären musste: Will ich an einer Sendung teilnehmen, die das Missverständnis befeuert, ich sei auch eine Literaturkritikerin? Letztere bin ich nicht, war ich nie und will ich nie sein.“

„Ich hasse die Farben der Stühle, die Wünsche der Redaktion"

Mit diesem Missverständnis hatte Maxim Biller offenbar Probleme. Das Publikum habe nur von ihm erwartet, dass er markige Sprüche raushaut. Mit seinem Rücktritt habe er öfter gedroht: „Ich hasse die Farben der Stühle, die Wünsche der Redaktion, die Sendung, alles. Aber ich muss Geld verdienen.“ Klingt so, als musste sich Biller fürs „Literarische Quartett“ tatsächlich verbiegen.

Sicher, das klassische Kritiker-TV-Format mit Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek hat den Unterhaltungswert immens befeuert. Das hat seinen Preis, weiß Thea Dorn. „Bisweilen wurden sehr kluge Dinge über Literatur gesagt.“ Im Rückblick habe sie allerdings den Verdacht: Leider ging das eine zumeist auf Kosten des anderen und umgekehrt. „Mal sehen, ob uns die Quadratur des Kreises gelingt, sowohl unterhaltsam, als auch klug und vor allen Dingen fair zu den Büchern zu sein.“

Triftige, faire Literatur-Kritik vollziehe sich für Thea Dorn immer in drei Stufen: „Erst einmal muss ich mich bemühen, das Werk so genau wie möglich darzustellen. Dann muss ich mich fragen: Ist es dem Autor gelungen, seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden? Und erst in einem dritten Schritt kann ich dann anmerken, dass ich es richtiger fände, sich literarisch mit anderen Themen zu befassen, dass ich andere Erzählweisen bevorzuge oder dass ich die dem Buch zugrunde liegende Weltsicht für falsch halte.“

Die klassische Rollenverteilung in der Kritikerrunde neben Christine Westermann und Volker Weidermann sieht sie eher skeptisch. Maxim Biller war oft der Provokateur, der Bücher unerträglich findet und über seine Langeweile bei der Lektüre klagte. Welche Rolle Thea Dorn auf keinen Fall übernehmen möchte? „Ich halte von diesen Rollenüberlegungen nicht viel, weder im positiven noch im negativen Sinne. Die Sendung ist dann am spannendsten, wenn alle Beteiligten so unverstellt wie möglich miteinander diskutieren. Schließlich sind wir keine Schauspieler.“

Rolle hin, Authentizität her – ein bisschen was von diesem Biller’schen Geist, der stets verneint, ist dem „Literarischen Quartett“ weiter zu wünschen. Mit Thea Dorn. Es könnten auch ruhig ein paar Zuschauer mehr sein.

„Das Literarische Quartett“, Freitag, ZDF, 23 Uhr

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