Medien : „Die perfekte Welle“: Kein Song fürs Radio

Joachim Huber

Angesichts der verheerenden Flutwelle mit Zehntausenden von Opfern in Asien hat der Österreichische Rundfunk ORF den Schlager „Die perfekte Welle“ der deutschen Gruppe Juli vorläufig aus dem Programm genommen. Dies sei eine Frage der „Pietät“, sagte eine ORF-Sprecherin. Der Schlager wurde schon am Sonntag, nach Bekanntwerden der Katastrophe nicht mehr gespielt. In dem Song heißt es unter anderem: „Jetzt kommt sie langsam auf dich zu, das Wasser schlägt dir ins Gesicht, (du) siehst dein Leben wie ein Film, du kannst nicht glauben, dass sie bricht.“ Die Berliner Radiostation Energy 103,4 verzichtet seit Montag auf „Die perfekte Welle“. Programmdirektor Klaus Pommer sagte dem Tagesspiegel: „Der Song ist gut, er passt aber überhaupt nicht mehr. Wir können nicht in den Nachrichten von der tödlichen Flutwelle berichten und wenige Minuten später den Song spielen.“

Andere Situation bei 94,3 r.s2: Programmdirektor Stephan Hampe sagte, der Song sei momentan „nicht in der Rotation“, er sei „überspielt“, werde aber wieder in die Musikstrecken aufgenommen. Begründung: „Der Song hat ein vollkommen anderes Thema, er vermittelt ein absolut positives Lebensgefühl. Die Hörer können da unterscheiden.“ Die Diskussion darüber nannte Hampe „ein bisschen überempfindlich“. Eine generelle Anleitung für das Privatradio wollte der Programmdirektor daraus nicht ableiten, beim ersten Golfkrieg habe der Sender den Song „99 Luftballons“ von Nena aus dem Programm genommen.

Die Radiowellen des öffentlich-rechtlichen RBB vertreten die gegenteilige Position. Nach Angaben einer Sprecherin würde nicht auf „Die perfekte Welle“ verzichtet, sondern generell auf alle Musiktitel, die „mögliche Assoziationen zu dem schrecklichen Ereignis“ zuließen. Als Beispiele nannte die Sprecherin die Songs „Wellenreiter“ der Sportfreunde Stiller und „Ein Tag am Meer“ von den Fantastischen Vier. Bettina Kübler, Sprecherin des Hessischen Rundfunks, wo das Lied vorerst nicht mehr gespielt wird, sagte: „Das ist schon ein eingespieltes Verfahren bei uns: Wenn etwas Schlimmes passiert, wird das Musikprogramm gescannt.“ Ähnlich äußerten sich Sprecher vom Südwestrundfunk und des Radioprogramms WDR 2.

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