Medien : Die Peter-Kloeppel-Offensive

Im Fernsehen und per Handy: RTL erweitert Information

Thomas Gehringer

RTL-Zuschauer, bitte anschnallen! „Wir zünden nun die dritte Stufe der Informationsrakete“, lautet die Durchsage von Informationsdirektor Hans Mahr. Man sei „aus dem Fernsehen ausgebrochen“ und werde „immer und überall mit News vertreten sein“. Mahr sah sich wohl zum Handeln gezwungen, da die Konkurrenz neue Anstrengungen unternimmt. Sat-1-Chef Roger Schawinski will die Nachrichten runderneuern.

Die Antwort des Kölner Marktführers fällt eher unspektakulär aus: Im Frühherbst soll das neue Nachrichtenstudio für „RTL aktuell“ fertig sein. Natürlich in schickem, supermodernem Design. Und T-Mobile-Kunden werden sich in Zukunft Kurzmitteilungen, Fotos und ab Juli auch bewegte Nachrichtenbilder aus der News-Redaktion von RTL auf ihr Handy-Display schicken lassen können, gegen Bezahlung natürlich. Dafür tritt sogar Peter Kloeppel schon mal exklusiv für die T-Mobile-Kunden vor die Kamera. Und dann wäre da noch der Umzug des Nachrichtensenders n-tv von Berlin nach Köln, wobei Mahr betont, dass das neue Mitglied der RTL-Familie „weiterhin eigenständig und unabhängig arbeiten wird“.

„Die Zukunft der TV-News“ also, wie sie sich RTL vorstellt, bringt in Wahrheit keine gewaltigen Änderungen. Die RTL-Antwort auf alle Bemühungen der Konkurrenz lautet nach wie vor: Peter Kloeppel. So wird der Anchorman in der nächsten Woche aus Anlass der EU-Osterweiterung die RTL-Nachrichten aus Zypern (Montag), Ungarn (Dienstag), Tschechien (Mittwoch), Estland (Donnerstag) und Polen (Freitag) moderieren.

Im Herbst will Kloeppel aus Anlass der Präsidentschaftswahlen einen Zweiteiler über die Geschichte der USA und das Verhältnis der Deutschen zu der befreundeten Weltmacht präsentieren. Das ist einleuchtend, denn die Meinungsforscher von Forsa haben bei einer News-Studie für RTL herausgefunden, dass beim Publikum die „gefühlsmäßige Nähe“ zu den USA im Vergleich zu einer 1998 durchgeführten Umfrage deutlich abgenommen hat. Das sei wohl mit dem Irak-Krieg zu erklären, meint Mahr, der außerdem „eine Art Container-Effekt“ beim Publikum ausgemacht hat. Laut Forsa sank das Interesse an harten politischen Themen. Stattdessen wollten die Zuschauer mehr über Themen erfahren, die konkrete Auswirkungen auf ihren Alltag haben – Gesundheit, Ausbildung, Wetter.

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