Medien : „Die Presse braucht Hilfe“ Sarkozy will Frankreichs Printmedien unterstützen

Hans-Hagen Bremer[Paris]

Nicolas Sarkozy ist nicht gerade als begeisterter Zeitungsleser bekannt. Doch der Präsident macht sich Sorgen um den Bestand der Presse in Frankreich. „Wir müssen die Schwierigkeiten, die die französische Presse seit 30 Jahren belasten, überwinden“, sagte er am Donnerstag vor Vertretern von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, Berufsverbänden der Journalisten und Medienexperten, die er zur Eröffnung der sogenannten Generalstände der Presse in den Elysée-Palast eingeladen hatte. Es handelte sich um das erste von mehreren Treffen, bei denen bis Dezember in vier Arbeitsgruppen konkrete Vorschläge zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Presse, zur Konkurrenz durch Informationen im Internet, zur Zukunft des Journalismus und zum Platz der Printmedien in der Gesellschaft erarbeitet werden sollen. „Die Presse braucht Hilfe“, sagte Sarkozy, „und der Staat ist bereit, ihr zu helfen.“

Schon jetzt greift die französische Regierung der Presse mit direkten und indirekten Beihilfen von einer Milliarde Euro im Jahr unter die Arme. Dazu gehören neben Vorzugstarifen bei der Post für den Zeitungsversand, Zuschüssen zum Kioskverkauf und verschiedenen Steuererleichterungen die Subventionen, mit denen die Regierung Zeitungen mit geringem Anzeigenvolumen unterstützt. Für diese Beihilfen, von denen Blätter wie das christlich orientierte „La Croix“ ebenso profitiert wie die kommunistische „L’Humanité“, sind im Budget für 2009 284 Millionen Euro vorgesehen. Die Wirksamkeit dieser Subventionen müsse überprüft werden, sagte Sarkozy.

Wie schlecht es der französischen Presse trotz dieser Unterstützung geht, belegen die Zahlen über den Rückgang der Auflagenentwicklung, des Anzeigenaufkommens und der Rentabilität der Zeitungen in den vergangenen Jahren. Im internationalen Vergleich stand Frankreich beim Zeitungskonsum seit langem nur noch im Mittelfeld. Die Franzosen lesen nur halb so viel Zeitungen wie etwa ihre deutschen Nachbarn. Diese Entwicklung hat sich aber seit den 1980er Jahren verschärft. Mehrere Blätter sind ganz vom Markt verschwunden, die übrigen kämpfen, wie jetzt „Libération“, „Le Figaro“ oder „Le Monde“, um ihr Überleben. Neben dem Auflagenschwund um 10,7 Prozent seit 2000 sind dafür Mindereinnahmen bei den Anzeigenerlösen (10,1 Prozent) sowie die unverändert hohen Herstellungs- und Vertriebskosten verantwortlich. Die Folge ist ein vermindertes redaktionelles Angebot, für das der Leser zögert, Geld auszugeben.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, erwartet Sarkozy Vorschläge der Branche. „Das beste Mittel, die Unabhängigkeit der Presse zu sichern, ist die Verbesserung ihrer Rentabilität“, sagte er. Der kostspielige Vertrieb müsse reformiert werden. Die Druckergewerkschaft ermahnte er, ihr Monopol zu überdenken. Aber auch die Gratispresse stellte er infrage. Sie sei der „Tod der Verkaufszeitungen“. Nur am Rande erwähnte er den Vorschlag, das Konzentrationsgesetz zu lockern. Kritiker werfen ihm vor, damit den Einfluss und die Macht der mit ihm befreundeten Verleger- und TV-Bosse zu fördern. Hans-Hagen Bremer, Paris

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