Medien : Die Prinzen heuern und feuern

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„Den bräuchte man nur anzuschießen, der bräuchte nicht mal zu köpfen. Der Ball geht von allein ins Tor.“ Die Begeisterung von Marcel Reif über Miroslav Klose war ungewöhnlich, vor allem, weil es sich erst um die 25. Spielminute handelte. Aber sie hatte eine Vorgeschichte. Reif hatte schon recht zuversichtlich angefangen, bei seiner Reportage des Saudi-Arabien-Spiels auf Premiere, die Stimme war auffallend durchtränkt vom Wissen, dass eigentlich gar nichts Schlimmes passieren könne – und das hielt er durch, auch wenn erstmal kein Tor fiel.

Reif stellte fest, dass die Deutschen sich besser aufgestellt hatten als die Saudis, dass letztere schon nach ein paar Minuten deutlich Respekt zu zeigen begannen, es ergab sich in seiner Rede eine gewisse Zwangsläufigkeit. „Man sieht, dass trainiert worden ist“ – bei der deutschen Nationalmannschaft eine erwähnenswerte Feststellung. Aber Jancker schaffte es nicht, Ziege konnte nicht flanken, Ballack schoss über das Tor. „Ein Beispiel für die große ostdeutsche Fußballschule“, stellte Reif kennerisch fest. Doch Ballack war nah dran gewesen, und Kloses erstes Tor in der 20. Minute war die logische Konsequenz. Danach konnte Reif den Ball flach halten. .

Günter Netzer hatte seinen abgründigen Ton des Wissens schon am Vorabend vorbereitet. Da sprach er in seiner staatsmännischen Art, die an einen richtigen Überblick denken lässt, davon, dass Sepp Blatter, wie er selbst im Großbereich Zürich wohnend, schon alles richtig mache. Die Vorwürfe gegen den Fifa-Präsidenten seien haltlos. Merkwürdigerweise klang das genauso selbstverständlich wie Netzers Spielanalyse: „Mit der körperlichen Überlegenheit der Deutschen kommen die Saudis nicht zurecht.“

Heribert Faßbender wählte in seiner Live- Version des Spiels auf der ARD eine ganz andere Tonlage als Marcel Reif. „Die Prinzen heuern und feuern die Nationaltrainer wie sie wollen“, frohlockte er schon sehr bald über die Saudis; das erinnerte an seine besten Zeiten. „Viele Menschen mit japanischen Gesichtern, aber schwarzrotgoldenen T-Shirts“ – so stellten sich für Faßbender die Zuschauerränge dar. Fast hätte man meinen können, die Deutschen seien wieder wer. Da half Marcel Reif, der gegen Ende sogar wieder zur Ironie zurückfand: Verglichen mit der Gruppe der Franzosen oder Argentinier sei die deutsche Gruppe „vielleicht doch nicht so hammerhart.“ Helmut Böttiger

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