Medien : Die Rastlose

Elke Heidenreich liest wieder – diesmal mit Iris Berben

Thomas Gehringer

In dieser unsicheren Welt gibt es doch noch einige Gewissheiten: Zum Beispiel die, dass Elke Heidenreich einmal im Monat ein paar Bücher in die ZDF-Kameras hält und die Verkaufszahlen dieser Titel mit ihrer ansteckenden Begeisterungsfähigkeit in die Höhe treibt. So war es jedenfalls häufig nach den 15 bereits ausgestrahlten Sendungen. „Lesen!“ sahen im Durchschnitt 1,6 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 7,2 Prozent entspricht – für eine Literatursendung nach 22 Uhr ein beachtlicher Erfolg. Doch mit alldem beschäftigt sich Elke Heidenreich nicht. Sagt sie jedenfalls. „Wir machen keine Sendung, um Bücher auf Bestsellerlisten, sondern Leute ans Lesen zu kriegen.“ Die Messung der Einschaltquoten hält sie sogar für einen „gigantischen Schwindel“. Die öffentlich-rechtlichen Sender hätten sowieso die Pflicht, sich der Kultur zu widmen, „und wenn nur drei zugucken“. Schließlich räumt sie ein, dass sie sich am Tag nach der Sendung doch für die Quote interessiere.

Es ist also vor dem „Lesen!“-Start nach der Sommerpause alles wie immer: Elke Heidenreich sprudelt über, lobt und tadelt, schwärmt und poltert. Nicht jeden Satz sollte man allzu wörtlich nehmen, aber dass sie mit „Lesen!“ am liebsten alle zwei Wochen bereits um 21 Uhr auf Sendung gehen würde, darf man ihr gewiss abnehmen. Wieder eigene Bücher zu schreiben, dazu komme sie in den nächsten Jahren nicht: „Mein Kopf ist so voll mit anderer Leut Geschichten.“ Dafür gibt die Rastlose für eine Frauenzeitschrift eine Buch- Edition heraus, die ohne ihren Erfolg im Fernsehen (und ohne die Erfolge anderer Verlage mit Buch-Reihen) sicher nicht zustande gekommen wäre.

Änderungen bei „Lesen!“ sind nicht geplant, den Wünschen Elke Heidenreichs zum Trotz. Heute eröffnet Schauspielerin Iris Berben die neue Saison und empfiehlt Bücher von Alexander Granach und Minka Pradelski, jüdische Lebensgeschichten aus Galizien und Polen, Deutschland und Israel.

An Biografisches hält sich auch Elke Heidenreich, die das „Porträt des Meisters in mittleren Jahren“ von Colm Tóibín vorstellt, einen Roman über den Schriftsteller Henry James. Außerdem erfährt man 50 Jahre nach dem Tod von James Dean, dass Teenager Elke „immer mit einer Kippe im Mund so an der Wand lehnte“ (sie geht in eine lässige Schräglage), „bis mir meine Mutter eine klebte“. Den früh verstorbenen Hollywoodstar („meine erste große Liebe“) verehrt sie noch mehr als Harald Schmidt („vor dem gehe ich in die Knie“), was offenbar etwas heißen soll. Und so werden Bücher über das Jugendidol der fünfziger Jahre ebenfalls Thema der Sendung sein.

Wieder mit dabei bei „Lesen!“ ist auch der Hörbuch-Tipp. Vielen Zuschauern würden die Hörbücher erst den Zugang zur Literatur ermöglichen, erklärt Heidenreich. Außerdem haben sie den Vorteil, dass sie die Moderatorin in eine lammfromme Autofahrerin verwandeln. Sonst fahre sie „sehr aggressiv, wie ich ja alles im Leben zu schnell und zu ungeduldig mache“.

„Lesen!“: 22 Uhr 15, ZDF

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