Medien : Die Reifeprüfung

Lolle streift in der neuen „Berlin, Berlin“-Staffel das Image des Mädchens vom Lande ab

Alva Gehrmann

„Mehr Liebe. Mehr Lust. Mehr Lolle“, steht auf riesigen Plakaten, mit denen die ARD derzeit Werbung für die neue „Berlin, Berlin“-Staffel macht. Schauspielerin Felicitas Woll trägt darauf nur ein rotes Handtuch, sie lacht. Frech, fast verführerisch.

Mehr Sex, hätte der Spruch erweitert werden können. Denn die erste Folge beginnt mit viel Sex – im Bett, in der Dusche. Das Ergebnis ist ein verräterischer Knutschfleck. Leider nicht von Lolles Freund Alex, sondern von ihrem Cousin und WG-Mitbewohner Sven. Und schon sind wir beim Thema: Lolles Liebesleben. Sie liebt beide Männer und weiß nicht, für wen sie sich entscheiden soll.

Turbulent geht es weiter in der dritten Staffel von „Berlin, Berlin“, die heute startet.

Und Lolles Problem erklärt schon, warum die Serie bei jungen Zuschauern so beliebt ist. Es sind die alltäglichen Probleme, mit denen sich die Hauptfigur herumschlägt: Wen liebe ich? Was werde ich? Frech und chaotisch ist Lolle, gespielt von Felicitas Woll, und sie gerät immer wieder in seltsame Situationen: So läuft Lolle in der ersten Folge barfuß, nur mit einem Handtuch bekleidet, durch die Hauptstadt.

Nicht im roten Handtuch, sondern in Jeans, schwarzer Strickjacke, darunter ein enges, schwarzes Oberteil, sitzt Felicitas Woll an diesem Vormittag in einer Charlottenburger Hotelbar. Sie habe bisher vor allem weibliche Fans, sagt die Schauspielerin. Bei dieser „Berlin, Berlin“-Sexoffensive kommen sicher ein paar Männer dazu. Viele Teenager identifizieren sich mit Lolle, die vom Land in die Stadt kommt, und glauben, Felicitas Woll, 24, sei wie Lolle. So ist das wohl immer bei lebensnahen Charakteren. Trotzdem nerven Woll die Vergleiche: „Ich weiß langsam nicht mehr, wie ich meine Antworten noch umstellen soll“, so oft wurde sie danach gefragt, was sie mit ihrer Figur verbinde. „Lolle hat nichts mit mir zu tun, außer, dass wir beide vom Land in die Stadt gezogen sind.“ Komisch findet Woll an ihrem Beruf noch immer, dass sie ständig beobachtet wird.

Von den Fans, aber auch von Journalisten. „Sie sezieren einen regelrecht. Schauen genau, wie ich mich bewege, was ich trinke und wie viele Zigaretten ich rauche.“ Fürs Protokoll: Woll sitzt ruhig in ihrem Stuhl, schaut gelegentlich aus dem Fenster, trinkt zwei Gläser Orangensaft und raucht vier Zigaretten.

Felicitas Woll ist zierlich. Auffällig sind ihre verzierten Silberohrringe. Felicitas Woll ist wirklich nicht wie Lolle. Sie wirkt erwachsener, reifer. Doch auch Lolle habe sich weiterentwickelt: „In der dritten Staffel ist das Landei kein Landei mehr“, sagt sie.

Zwei Preise hat Felicitias Woll für die Rolle in der ARD-Serie bekommen. 2002 den Deutschen Fernsehpreis als beste Serienschauspielerin, ein Jahr später den Adolf- Grimme-Preis. Die Grimme-Jury lobt ihre „sprudelnde Natürlichkeit“ und den „nie anbiedernden Charme“ mit der sie ihre Rolle ausfülle.

Lolle ist nicht ihre erste Serienrolle. Ab 1998 spielte sie drei Jahre in der Comedy-Serie „Die Camper“ (RTL) die Tochter Tanja, später war sie Maja bei den „Nesthockern“ (ZDF). Sogar in einer chinesischen Soap „True Love is Invisible“ spielte sie mit. Als Deutsche Helen, die ihrem Großvater nach Shanghai folgt und dort um die Anerkennung der Familie kämpft. Zwei Monate drehte sie in China, verbrachte im Land die Jahrtausend-Wende. Insgesamt 400 Millionen Zuschauer sahen die 20 Folgen. „Ich habe da Deutschland repräsentiert. Vorher kannten die Fernsehzuschauer nur Marlene Dietrich und Derrick.“ Nun kennen sie auch Felicitas Woll.

Nicht nur in China betätigt sie sich als Botschafterin. Seit Dezember vergangenen Jahres ist Woll auch offizielle Botschafterin des Nationalparks „Kellerwald-Edersee“. Der liegt in der Nähe ihres Heimatdorfes, im Umland von Kassel. „Ich bin mit diesem Wald groß geworden“, sagt Felicitas Woll und findet es schade, dass sich ihre Generation nicht mehr für die Natur interessiert. „Wenn ich sage: Geht doch mal in den Wald, fühlt, riecht und seht ihn, gucken die mich nur komisch an. Die Kids machen lieber ihre Computerspiele.“ Felicitas Woll wird ganz energisch, wenn sie von ihrer neuen Aufgabe erzählt. Was genau macht eine Botschafterin? Das recherchiert sie derzeit, und lernt alles über Flora und Fauna.

Wenn Woll nicht gerade dreht, lebt sie bei ihren Eltern. Dort hat sie eine eigene Wohnung. Viel zu selten sei sie bei ihrer Familie, sagt sie. Felicitas Woll hat sechs Geschwister. Die besuchen sie gelegentlich in Berlin – im Mai beginnen die Dreharbeiten für die vierte „Berlin, Berlin“-Staffel. Dann übernachtet Woll nicht im Charlottenburger Hotel, sondern in einer Produktionswohnung im Prenzlauer Berg.

Ganz nach Berlin zu ziehen, das kann sich Felicitas Woll nicht vorstellen. Eine zu große Stadt, und zu wenig Natur. Doch auch so ist die Lolle-Darstellerin eine Art Hauptstadt-Botschafterin.

„Berlin, Berlin“: 18 Uhr 50, ARD

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