Medien : Die Reise nach Jerusalem

„Jungle World“ verbringt den Sommer in Israel

Elke Wittich

In den Redaktionsräumen sieht es aus, als wäre die Zeitung am Ende: die Computer ausgestöpselt, aus Kartons ragende Kabel, Redakteure, die zusammenpacken. Dabei packt die Wochenzeitung „Jungle World“ nur für den Urlaub. Richtig gelesen: Die linke Wochenzeitung, die in Kreuzberg ihren Sitz hat, geht in Urlaub mitsamt ihrem technischen Equipment. Dieses Jahr nach Israel.

Seit 1998 wird einmal im Jahr eine Doppelausgabe der Zeitung vor Ort in einem jeweils anderen Land produziert. In allen Ressorts erscheinen auf das Gastland bezogene Artikel, deutsche Themen werden für die Aufenthaltsdauer in der Rubrik Ausland abgehandelt.

Es begann als Notlösung – im ersten Jahr hatte kaum ein „Jungle-World“-Mitarbeiter genug Geld, um in Urlaub zu fahren, also entschloss man sich zur Kollektiv-Lösung. Die Redakteure schätzen neben der Tatsache, dass sich die Ferien- „Jungles“ überproportional gut verkaufen vor allem die Möglichkeit, vor Ort Kontakte zu knüpfen. In Dänemark, Polen, Italien, Frankreich, Kroatien und Tschechien waren die Redakteure in den vergangenen Jahren. Diesmal geht es vom 6. bis 20. Juni in den Nahen Osten – unterstützt wird das Projekt aus Mitteln der Bundeskulturstiftung.

Zwei Wochen lang wird die Redaktion in einem Kibbuz wohnen, „die technischen Möglichkeiten“, so Geschäftsführer Stefan Rudnik, „sind diesmal traumhaft“. Noch 1998 in Polen war die Kommunikation massiv gestört, weil ausgerechnet der ausgewählte Ferienort mitten in einem Mobilfunk-Loch lag. Zweimal täglich fuhren Redakteure mit Handys und Laptops zu einem 20 Kilometer entfernten Waldparkplatz, um Mails abzurufen und im Internet zu recherchieren. Im nahe Jerusalem gelegenen Kibbuz werden die Zimmer der Redakteure mit DSL- und Internet-Zugang ausgestattet sein. So viel Luxus behindert jedoch gerade den Kreuzberger Redaktionsalltag: Aus Sicherheitsgründen muss das Equipment bereits heute am Flughafen abgeliefert werden – während die Produktion der am nächsten Mittwoch erscheinenden Vorurlaubs-Nummer noch läuft.

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