Medien : Die Rekruten Allahs

„Spiegel TV“-Redakteure dringen tief in Milieus ein, in denen Kinder zu Selbstmord-Attentätern erzogen werden

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Es sind Bilder, von denen die Autoren zu Recht behaupten können, dass die Welt sie noch nicht gesehen hat. Aufnahmen aus Kindergärten der Hisbollah, von pakistanischen Religionsschulen für Mädchen und vom schiitischen Märtyrerfest Ashura, an dem Tausende ihr eigenes Blut opfern. Unmittelbar nach dem 11. September 2001 hat sich das Team um den israelischen Regisseur Dan Setton und die „SpiegelTV“-Redakteure Helmar Büchel und Kerstin Mommsen auf Spurensuche im Nahen Osten gemacht. Sie suchen nach den Wurzeln des Dschihad, des Heiligen Krieges, und treffen dabei auf Gotteskrieger, die ihnen die Türen zu Schulen, Kindergärten und Häusern öffnen, in denen noch nie gefilmt wurde.

Die Aufnahmen entstehen zum Teil kurz nach dem Einmarsch der Alliierten in Afghanistan. „Gewiss sollte uns nun gezeigt werden, dass damit der islamische Widerstand nicht gebrochen ist“, erklärt Autor Büchel. „Im Gegenteil: Unsere Bilder sollten seine wahrhaftige Stärke dokumentieren.“ Und das tun sie. In schneller Abfolge werden die Abschiedsvideos von Selbstmordattentätern gezeigt, in denen sie das eigene Ende triumphierend ankündigen. Aus Aufnahmen von Demonstrationen, auf denen die aufgebrachte Masse Amerika kollektiv der Tod wünscht, spricht derselbe Fanatismus. Diese Bilder hat man so noch nicht gesehen, sie entsprechen aber in etwa den gängigen Vorstellungen, die man im Westen vom islamischen Fundamentalismus hat. Seine ganze Wucht entfaltet der Film erst, wenn er zeigt, welchen Stellenwert die Gewalt im Alltag erlangt hat.

Blut ist in islamistisch geprägten Gegenden schon in den Grundschulen omnipräsent, das verdeutlicht ein Beispiel aus dem Libanon. Dort malt der Lehrer mit roter Kreide die Wunden des ersten Selbstmordattentäters der islamischen Geschichte an die Tafel. An den Wänden hängen Kinderzeichnungen von Blut triefenden Kopftüchern. Die Schüler haben schon gelernt, warum der Märtyrertod als so wünschenswert gilt: „Man kommt ins Paradies“, erzählen sie mit kinderhaftem Stolz über den eigenen Fleiß.

Die Bilder, die der Film unerbittlich aneinander reiht, verstören durch ihre Gewalttätigkeit. Sie verstören aber auch, weil sie nicht eingeordnet werden. Die Autoren halten sich sowohl mit Kommentaren als auch Erklärungen bewusst zurück. Sie setzen allein auf die Aussagekraft des Gezeigten. Übrig bleiben Ausschnitte des Schreckens. hpi

„In Gottes Namen: Die Rekruten des Heiligen Krieges“, RTL, 22 Uhr 50

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