Medien : Die Rettung auf einem Bierdeckel

Premiere will mit einem plakativen Tarifsystem auch ohne Fußball-Bundesliga überleben

Joachim Huber

Was der CDU-Politiker Friedrich Merz konnte, das kann Premiere-Chef Georg Kofler schon lange: einen Bierdeckel beschreiben. Merz schaffte damit seine Steuererklärung, Kofler signalisiert damit das neue Abo-System des Pay-TV-Senders: „9,99“ Euro steht auf den Bierdeckeln, die Premiere als Werbemittel verteilt. Vom 1. August an werden statt der bisher drei Standard-Abonnements fünf neu zugeschnittene Abos für jeweils 9,99 Euro buchbar sein. Die Botschaft der neuen Angebotsstruktur ist klar: Premiere kontert den neuen Konkurrenten Arena mit günstigeren Preisen. Der Verlust der Bundesliga-Rechte an Arena soll keinen Exodus bisheriger Kunden auslösen.

Das neue Premiere-Modell funktioniert wie ein Baukasten: Die fünf Abos – „Blockbuster“, „Thema“, „Entertainment“, „Sport“ und „Fußball International“ – können einzeln oder kombiniert gebucht werden. Je mehr übrigens, desto günstiger: Die 5er-Kombi gibt es für 34,99 Euro bei zweijähriger Laufzeit des Vertrages. Georg Kofler sagte bei der Pressekonferenz in Berlin, der Kunde solle künftig „wesentlich bessere Möglichkeiten haben, die Auswahl der Abonnements auf seine individuellen Interessen abzustimmen“. Verpflichtende Basispakete oder andere Zugangsvoraussetzungen werde es nicht länger geben.

Das bisherige Einstiegspaket „Premiere Start“ für fünf Euro im Monat wird der Sender bis Anfang 2007 abschaffen. Dies einerseits, günstigere Abo-Preise andererseits sollen den aktuellen Durchschnittserlös je Kunden – rund 22 Euro im Monat – stabil halten. Dabei werde es zudem gelingen, sagte Kofler, die Prognose von rund 3,7 Millionen Kunden bis Ende 2007 zu erfüllen. Kunden, die bisher „Premiere Komplett“ oder das Fußball-Paket abonniert haben, könnten ab August in die neuen Tarife wechseln. Für die übrigen Abonnenten bleibe bis zum Auslaufen ihrer Verträge alles wie gehabt.

Zwei Punkte könnten den – wie immer optimistischen – Ausblick des Premiere-Chefs verdüstern: Rund 400 000 der aktuell 3,5 Millionen Premiere-Kunden haben ein „Start“-Paket, weitere 300 000 die Bundesliga abonniert. Beide Angebote fallen weg, entsprechend ungewiss ist die Reaktion der Kunden. Die Fußball-Interessierten will Kofler über zwei Offerten an Premiere binden: einmal über das neue Paket „Fußball International“, mit dem zum Beispiel alle 125 Spiele der Champions League live gesehen werden können, dazu Spitzenpartien der europäischen Top-Ligen. Dass eine Begegnung wie Juventus Turin gegen Bayern München dann nur noch im Pay-TV laufen soll, lässt zwar Kofler und Premiere, keineswegs aber alle Fans jubeln.

Der zweite Weg soll den Premiere-Kunden weiterhin den TV-Zugang in die Bundesliga-Stadien erlauben: Der Bezahlsender hatte sich ja Mitte Mai mit der Deutschen Telekom, die die Internet-Rechte an der Fußball-Bundesliga erworben hat, auf eine Ausstrahlung über das neue Glasfasernetz VDSL verständigt. Unklar bleibt weiterhin, wie viele Kunden Premiere auf diesem Weg erreichen kann, unklar auch, wie das neue Bundesliga-Angebot zusammen mit der Telekom aussehen wird. „Über Preise und Konditionen werden Deutsche Telekom und Premiere gemeinsam informieren – und zwar zeitnah nach der Fußball-WM.“

Georg Kofler jedenfalls ist aller Entwicklung weit voraus: Über einen schnellen ADSL-Anschluss wären bereits in der ersten Jahreshälfte 2007 etwa 30 bis 50 Prozent der Premiere-Kunden zu erreichen. Die Börse blieb am Dienstag skeptisch: Das Premiere-Papier verbilligte sich um rund fünf Prozent auf 8,32 Euro.

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