Medien : „Die Roboter kennen noch keine Geldgier“

Gespräch mit ZDF-Chefredakteur Brender über den „RoboCup“, das WM-Bild und Pierre Littbarski

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Herr Brender, so intelligent war Fußball noch nie: Von heute an wetteifern rund 2500 Teilnehmer in Bremen um den „RoboCup 2006“. Warum ist das ZDF Medienpartner der Roboter-WM?

Im „RoboCup“ steckt alles drin: Spiel und Wissenschaft, Sport und Philosophie, Teamgeist, Raffinesse und internationale Vernetzung. Da diskutieren und spielen Iranerinnen mit und gegen Japaner, Deutsche mit und gegen Amerikaner. Also eine klassische Weltmeisterschaft für ein öffentlich-rechtliches Programm, mit der das ZDF im Jahr der Informatik Begeisterung für Wissenschaft und Technik wecken will. Das Thema Robotik ist tatsächlich so ansteckend, dass meine Mitarbeiter meinen, ich hätte einen Robo-Tick. Deswegen entlasten mich Ihr Interview und die Berichterstattung großer Tages- und Wochenzeitungen über den „RoboCup“ sehr.

Mussten Sie für teures Geld irgendwelche Übertragungsrechte erwerben?

Gott sei Dank ist den Robotern die Geldgier noch nicht beigebracht worden. Die Rechtekosten für exklusives Bildmaterial hält sich in den Grenzen der Motorik von Fußballrobotern.

Was traut der Robocop Brender den deutschen Robotern zu?

Sie holen mindestens zwei oder drei WM-Titel. Damit wird der Öffentlichkeit gezeigt, dass die deutschen Universitäten und deren Wissenschaft besser sind als ihr Ruf.

Sie selbst sind völlig begeistert, wenn Roboter Fußball spielen. Basteln Sie in Ihrem Hobbykeller an Humanoiden herum?

Nein, dazu bin ich technisch zu unbegabt. Aber ich male mir zusammen mit meiner Frau das Fantasiebild des idealen, humanoiden Roboters: den widerspruchslosen Hemdenbügler, den pünktlichen Schneeschipper, den emotionsfreien Zeitungsentsorger und den fitten Fahrradpumper.

2050 sollen humanoide Roboter gegen Menschen antreten und die Fußball-WM gewinnen. Ist das realistisch oder Angeberei?

Auf alle Fälle ist da die FIFA vor. Es sei denn, sie hätte sich die weltweiten Rechte auch an den Robotermannschaften gesichert.

Werden Sie das Thema im ZDF-Programm weiterspielen?

Wir werden die erkennbare Neugierde der Zuschauer auf wissenschaftliche Erkenntnis und technische Entwicklungen in Programmen für jüngere Zuschauer ausbauen. Wir werden die deutschen Teams zu den nächsten Robo-Weltmeisterschaften in die USA begleiten.

Nun läuft gerade die herkömmliche Fußball-WM mit Menschen im Trikot. Zufrieden mit der Leistung des ZDF-Teams?

Im Gegensatz zu Bundestrainer Jürgen Klinsmann bin ich nicht nur mit unserem Sturm, sondern auch mit unserer Abwehr sehr zufrieden. Aber wie Klinsmann arbeiten auch wir an unseren spielfreien Tagen an der Perfektion unserer Leistung. Im Teletext- und Onlinebereich werden wir nachlegen müssen, um die Fragen der Zuschauer genauer und schneller beantworten zu können.

Aber das Fernsehbild von den WM-Spielen ist noch nicht optimal.

Mit der Bildregie des Host Broadcasting Systems waren und sind wir nicht immer zufrieden. Die Führungskamera ist in manchen Stadien zu hoch aufgehängt. Deshalb unsere Bitte an die Produzenten des TV-Signals: Kamera tiefer hängen.

Natürlich, Herr Brender, ist das ZDF immer die Nummer eins. Was machen Nummer zwei und Nummer drei, ARD und RTL anders – und sogar besser?

Die drei Free-TV-Sender haben erkennbar unterschiedliche Konzeptionen. Die ARD bestreitet ihre WM-Tage mit ihren beiden Analyse-Heroen Delling und Netzer. RTL versucht den Straßenfußball. Beim Privatsender ist die Kulisse der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor beeindruckend, das Dauergetöse allerdings nervend. Die ZDF-Arena-Atmosphäre liegt in der goldenen Mitte.

Bei RTL ist der Co-Kommentator wiederauferstanden – als Pierre Littbarski.

Zwei Kommentatoren sind eher versucht, sich gegenseitig das Wort zu nehmen. Jeder weiß ein bisschen mehr als der andere und will es auch an den Mann bringen. Dadurch droht das Spiel zerredet zu werden

Und die Zuschauer? Keine Beschwerden?

Erstaunlich ist erst einmal, wie viele Frauen zuschauen. Beim Eröffnungsspiel waren es 47 Prozent Frauen, also 8,8 Millionen Frauen und 53 Prozent Männer, sprich 9,9 Millionen. Normalerweise haben wir die Verteilung 35 zu 65 Prozent.

So viele Teams, so viele schöne Männer …

Richtig! Die Fußballer von heute haben es den Frauen angetan.

Die Fußballer heißen heute nicht mehr Horst Hrubesch und sehen auch nicht mehr so aus.

So ist es. Der größte deutsche „Robo-WM“-Teilnehmer wurde vom Publikum nicht „Hrubesch“, getauft, sondern „Robotinho“. Zu meiner Enttäuschung ganz knapp geschlagen wurde der Namensvorschlag „Miroslav Dose“.

Das Interview führte Joachim Huber.

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