Medien : Die Schattenfrau

Jörg Plath

„Seien Sie meine Bejahung, meine Rechtfertigung, meine Erlöserin, meine Frau“, umwirbt Thomas Mann 1904 Katharina Pringsheim. Nach dem Jawort wird die Tochter aus äußerst begütertem Münchner Hause noch einiges mehr für ihren Mann: die Mutter seiner Kinder, seine Haushälterin, Steuerberaterin, Sekretärin, literarische Beraterin. Katia Mann ist die Prokuristin der literarischen „Firma Mann“.

Diese selbstbewusste Frau, die, so Verleger Samuel Fischer, einen Dolch im Gewand trägt, möchte Birgit Kienzle in ihrem Dokumentarfilm „Frau Thomas Mann“ porträtieren. Doch obwohl sie auf zwei Biografien zurückgreifen kann, tritt Katharina, genannt Katia, bei ihr kaum aus dem Schatten der in gedrängter Form nacherzählten Biografie von Thomas Mann. Dass die Ehefrau mit 50 Jahren den Führerschein macht, um den Ehemann chauffieren zu können, dass sie sich im amerikanischen Exil tatkräftig für Verfolgte einsetzt und im Alter selbstbewusst darum kämpft, den nach einigen Unfällen eingezogenen Führerschein wiederzubekommen – all das wird von routiniert montierten Gesprächspartnern erzählt, fügt sich aber nicht zu einem Persönlichkeitsbild.

Statt ihre Freundschaft mit Molly Shenstone zu beleuchten, fragt eine Stimme aus dem Off geheimnisvoll-schlüpfrig: „War es mehr als Freundschaft?“ Beharrlich kommt der Film auf Luxus und (gleichgeschlechtlichen) Sex zurück. Katharina Mann war sicher eine harte Nuss für Verhandlungspartner. Für Biografen ist sie es noch immer.

„Frau Thomas Mann“: ARD, 23 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben