Medien : Die Schöne und das B.

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Der Abend beginnt damit, dass er sagt: „Hello.“ – „Hello“, sagt sie, „how are you?“ – „Hey, I’m fine. So how are you?“ – „Good.“ Der Abend spielt in Paris, es treffen sich ein Deutscher, 41, und eine Französin, 34. Es ist ein Rendezvous, er spricht ihre Sprache nicht, deshalb geht es so weiter: „I’m a bit nervous“, sagt er. Und sie: „I am never really nervous.“

Sie nimmt ihn mit. Und fortan kann man dabei zusehen, wie eine Frau mit einem Mann durch die Nacht zieht, der sie nicht interessiert. Julie Delpy, Schauspielerin, Sängerin, Regisseurin. Bela B., Sänger und Schlagzeuger der Rockgruppe Die Ärzte. Es ist eine Folge der ArteReihe „Durch die Nacht mit…“, die dritte Staffel läuft gerade. Anke Engelke traf Nikolai Kinski in Berlin, Udo Klier den Künstler Grayson Perry in London, Jörg Immendorff Christoph Schlingensief.

Ganz am Anfang, in einem Filmschnittstudio, die Warmmachplauderei nach der Begrüßung, die erste Neuigkeit: Julie Delpy ist Invalidin. Bela B. sagt, er würde bald einen Marathon laufen. Delpy: „Ich kann nicht rennen, ich habe kaputte Knie.“ Danach, auf der Suche nach einer Comic–Buchhandlung, er hält ihr einen Reiseführer hin, „ich kann das nicht lesen“, sagt sie, „ich bin praktisch blind“. Aber hören kann sie. Später im Auto, auf der Fahrt zum Modegeschäft einer Freundin, als er angibt mit seiner Punkrockvergangenheit und seinem Alter, sagt sie „du bist also ein Überlebender“. Blitzschnell, mit viel Spott, aber auch mit Erleichterung, Gottseidank du lebst noch, Alter. Er fühlt sich ernst genommen, er lächelt. Sie hätte auch still sein können, aber man merkt, hier will eine mit Anstand einen Abend mit einem Fremden überstehen. Der Film ist ein Lehrfilm darüber. toh

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