Medien : Die Schule schrumpft

In Zeiten knapper Kassen haben Deutschlands Journalistenschulen zu kämpfen

Nicole Diekmann

Es sah nicht gut aus für die Berliner Journalisten-Schule. Im Sommer fehlte der Posten „BJS“ auf den Entwürfen für den Berliner Landeshaushalt 2006; schließlich steuert das Land gemeinsam mit der EU für die Ausbildung der 16 Journalisten jährlich 200 000 Euro bei. Mittlerweile sind die Parteien zurückgerudert.

Bereits zum zweiten Mal in wenigen Jahren stand eine journalistische Ausbildungsstätte in Berlin vor dem Aus. Im Jahr 2000 konnte die Evangelische Journalistenschule, die in Berlin 16 Schüler pro Jahr ausbildet, ihre Schließung gerade noch mal abwenden. Damals wollte die evangelische Kirche, die einen Großteil der Schule trägt, ihre Zuschüsse streichen. In Zeiten knapper Kassen gerät die teure Journalistenausbildung von mehreren Zehntausend Euro pro Schüler schnell auf Streichlisten. Und es werden auch immer weniger Journalisten gebraucht. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnet aktuell bundesweit 5500 arbeitslose Journalisten. Die Dunkelziffer liegt viel höher, denn viele offiziell freie Journalisten sind faktisch arbeitslos.

Selbst die großen Journalistenschulen wie die Axel Springer Schule in Berlin und Hamburg und die Henri- Nannen-Schule haben ihre Plätze reduziert. Zwar nicht aus direkter Geldnot. Die Verlage Axel Springer und Gruner + Jahr machen nach Entlassungen in den Jahren 2002 und 2003 wieder hohe Gewinne. Doch die Blätter der Konzerne, die früher einen Großteil der Absolventen übernahmen, brauchen weniger Nachwuchs. Es klappe schon lange nicht mehr, hundert Prozent der Schüler im Unternehmen unterzubringen, sagt der stellvertretende Schulleiter Rudolf Porsch. Die Axel Springer Schule hat also bereits im Jahr 2002 ihre Ausbildungsstellen von 45 auf 35 pro Jahr zusammengestrichen – dabei bleibt es auch im kommenden Jahr. Die Henri-Nannen-Schule reduzierte im Jahr 2004 die Plätze pro Ausbildungsjahrgang von 36 auf 20. „Die Medienkrise ist nach wie vor da und spürbar. Es macht wenig Sinn, Leute auszubilden, für die es am Ende keine Stellen gibt.“, sagt Renate Niemann von der Henri-Nannen-Schule.

Da überrascht es, dass die Deutsche Journalistenschule (DJS) in München von diesem Jahr an wieder mehr Redakteure ausbildet: jährlich 45 statt wie bisher 30. „Wieder“, muss man sagen, denn damit hat die DJS den Stand von vor drei Jahren erreicht: Damals wurde das gemeinsam mit der Münchener Uni angebotene Diplomstudium Journalistik gestrichen – allerdings nicht aus Geldgründen, wie DJS-Leiter Ulrich Brenner betont, sondern wegen der Umstellung auf einen dreisemestrigen Aufbaustudiengang. Den bietet die Schule nun für zwei Klassen zu je 15 Schülern anstatt wie bislang für eine Klasse.

Die Ausbildung der insgesamt 45 DJSler pro Jahr finanzieren derzeit 54 Mitglieder der als Verein eingetragenen Schule, die sich so ihre redaktionelle Unabhängigkeit sichern will. Dahinter stecken vor allem öffentlich-rechtliche und private Sender sowie Zeitungsverlage, die zahlen, „ohne die Lehre zu beeinflussen“, so Brenner. Die Aussichten für die DJV-Absolventen sind vergleichsweise gut; sie profitieren vom guten Ruf der Schule. Bei der Evangelischen Journalistenschule kamen sogar alle Schüler des letzten Jahrgangs unter. „Alle 16 haben eine Stelle, ein paar sogar eine feste“, sagt Leiterin Maria Kniesburges.

Doch sind die goldenen Zeiten auch für Journalistenschüler vorbei: Auf die meisten wartet zunächst keine Festanstellung, sondern Klinkenputzen bei Sendern und Verlagen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar