Medien : Die Schwejksche

Heinz Knobloch erinnert an „Das Lächeln der Wochenpost“

Lothar Heinke

Heinz Knobloch, dieser nimmermüde feuilletonistische Beobachter, macht es einem nicht leicht mit seinem neuesten Buch, das der Verleger so dringend und eilig in Druck geben wollte, dass dem Verfasser keine Zeit für seinen Garten blieb – nur ein einziges Mal war er 2002 da, „wo ich aber auch zu nichts tauge mittlerweile, nur als Esser am Grill". Also, der 76-Jährige saß in Pankow über ein paar Jahresbänden der seligen „Wochenpost“, blätterte, las und notierte spontan seine Erinnerungen an dies und jenes, vor allem an „Das Lächeln der Wochenpost". Er schrieb auf, „wie unsereiner Zeitung machte." Und das war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren manchmal mehr komisch als lustig, auf jeden Fall so einprägsam, dass der junge Spund vom Feuilleton noch 40, 50 Jahre später Geschichten, Begebenheiten und immer wieder Namen von damals parat hat – vor allem von Kollegen, mit denen man gern in den längst wegrasierten „Kahlbaumstuben“ in der Mauerstraße heute noch ein Bier trinken würde.

Die „Wochenpost“ – die manch Älterer aus Gewohnheit und wegen der Farbe der Titelzeile auch „Grüne Post“ nannte – war mit ihren wöchentlich 1,3 Millionen Exemplaren immer im Nu weg, Bückware: „Ob Sonnenglut, ob bittrer Frost – ein jeder liest die Wochenpost." Die hatte nämlich, mehr als andere, das Ohr am Puls der Zeit, sie ließ die Leser auch mal lachen und weinen, und das besonders im Feuilleton, wo der Herr Knobloch seine Kolumnen „mit beiden Augen“ schrieb, weit über tausend. Er kümmerte sich um die von den Oberen so schmählich vernachlässigte Historie dieser Stadt, pickte sich Rosinen und allerlei anderes aus dem Kuchen der Zeit, gab Seitenhiebe nach rechts und links und notierte, wohin ihn die Neugier trieb. „Zum Wochenpost-Geist gehört der Schwejksche“, schreibt er, und meint nicht nur sich – Knobloch nennt viele, allzu viele Menschen, die ihm im Job begegnet sind, berühmte und unbekannte, aber immer Menschen, die ein Lächeln wert waren – die anderen kommen ungeschoren davon oder werden durch Missachtung bestraft.

Knobloch erzählt die alten Geschichten mit zwinkernden Augen und historischen Ausflügen, und dabei blickt man in den Mechanismus des DDR-Journalismus der frühen Jahre, als eine Zeitung noch Platz „für nicht ganz Gescheiterte“ hatte und stille, bescheidene oder auch skurrile Wesen mit ihrem gesunden Menschenverstand über dogmatische Sturheit obsiegten und die besten Ideen auch in verräucherten Kneipen unter Gleichgesinnten geboren wurden.

So richtig aktuell ist das alles natürlich nicht, und das Ende der „Wochenpost“ 1996 nennt Knobloch „überfällig“ – vielleicht hat er Recht; das Wochenblatt mit seinen aufmüpfigen Leuten, die es übrigens auch in anderen Blättern gab, konnte wohl nur da blühen und gedeihen, wo es unter die Sparte „Raritäten“ fiel.

Einmal machten die Pfiffikusse den Losungs-Wahn der DDR zur Tugend und erfanden die Rubrik „Die Losung der Woche". Und dann ging’s los, alles echt und von irgendeinem Transparent abgeschrieben: „Klarheit im Kopf schafft Ordnung im Stall". An Berlins Hauptfeuerwache stand: „Erlernt die Handhabung der Feuerlöschgeräte!“, in Brandenburg wurde gefordert „Träumen kann man, aber auch Schrott sammeln!". Über dem S-Bahn-Fahrkartenschalter Köpenick stand „Auf Sozialisten! Schließt die Reihen!“, und an der Molkerei in Ershausen war zu lernen: „Mit Fleiß und Zentrifugenkraft wird für den Frieden hier geschafft!“ Könnte von Schwejk sein.

Heinz Knobloch: „Das Lächeln der Wochenpost“. Jaron-Verlag, Berlin 2002. 210 Seiten, 15,90 Euro.

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