Medien : Die Schwestern von Anna Nicole Smith

„Die Farbe Blond“: Eine entspannte Arte-Doku über Blondinen aller Couleur

Thomas Gehringer

Es hat ja etwas Makabres, wenige Tage nach dem Tod der Berufsblondine Anna Nicole Smith einen Themenabend mit dem Titel „Manche mögen’s blond“ anzubieten. Andererseits ist es ein willkommener Zufall, dass Arte nach all dem Boulevard-Gezeter um Smiths Privatleben nun ein paar grundlegende Gedanken beisteuern kann. Noch dazu, wenn eine 90-minütige Dokumentation derart entspannt und kurzweilig, facettenreich und humorvoll daherkommt wie „Die Farbe Blond“ von Albert Knechtel.

Der Autor gondelt lässig durch die Menschheits- und Kulturgeschichte, die von Blondinen aller Couleur nur so wimmelt: von Tusnelda, der Gattin Hermanns des Cheruskers, die noch heute in dem wenig schmeichelhaften Ausdruck „Tussi“ fortlebt, über die Loreley und Botticellis Venus, bis hin zu Barbie und Marilyn Monroe. Dabei verzichtet Knechtel auf jeden Blondinenwitz, sieht man einmal von Paris Hilton ab, die als Inkarnation des Luder-Klischees immer mal wieder durch den Film stakst. Außerdem weiß er: „Blondinenwitze müssten eigentlich gefärbte Brünettenwitze heißen.“ Denn Naturblonde sind längst in der Minderheit, und „selbst die färben inzwischen die Haare“, wie Catherine Deneuve bemerkt. Die Grande Dame des französischen Films hat selbst als junge – und brünette – Frau mit dem Färben begonnen, aus Liebe.

Der Pariser Prominenten-Colorist Christophe Robin ist über diesen weiblichen Wunsch, dem Manne zu gefallen, reich geworden. Neben ihm treten auf: die amerikanische Pornodarstellerin Mary Carey, die finnische Tänzerin Paula Tuovinen, die kanadische „Blondinenrechtlerin“ Carol E. Cox, Hollywoods Starfriseur Ken Pavés und eine Reihe von Wissenschaftlern, die zu der launigen Revue einige erstaunliche Details beisteuern. Zum Beispiel: Schon die antiken Römerinnen ließen sich mit blondem Haar beliefern – aus Germanien, das damals auf diesem Gebiet Exportweltmeister war. So liegt denn auch bei allen Interviews eine blonde Perücke im Bild – sogar bei der Deneuve! – und signalisiert, man solle das Ganze bitte schön nicht allzu ernst nehmen. Der Autor lässt in seinem Spiel mit den Klischees nichts aus und schlägt zuweilen gewagte Salti, vom Rassenwahn der Nazis zum Schönheitswahn der Filmindustrie („Hitler ging, Hollywood kam“). Auch Walter Moers’ Internet-Hit „Der Bonker“ kommt zum Einsatz, denn wie hieß noch Hitlers Schäferhund?

„Die Farbe Blond“; Arte, 22 Uhr 20

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