Medien : Die Serientäter

Aus Alt mach’ Neu: Warum immer mehr TV-Formate Ableger finden werden

Till Frommann

Man legt ein schönes, farbiges Bild auf einen Fotokopierer. Man dupliziert es – und weil man das mit einem SchwarzWeiß-Kopierer macht, hat das Bild an Qualität eingebüßt. Statt wundervoller Vier-Farb-Verteilung sieht man es nun in Grautönen. Noch eine Kopie, und die Qualität wird noch schlechter.

Anscheinend gibt es für Fernsehserien ebenfalls ein Kopiergerät – Deckel auf, Serie rein, Deckel zu. Auf den Startknopf gedrückt, und schon kommt ein Nachfolgeprodukt dabei heraus. Ein so genannter Spin-Off des Originalprodukts. Ein Ableger einer meist erfolgreichen Fernsehserie. Nicht zu verwechseln mit einem reinen Nachfolgeformat. Die Serie „Berlin, Berlin“ beispielsweise, die jüngst mit dem US-Fernsehpreis „Emmy“ ausgezeichnet wurde, soll durch „Liebe, Liebe“ abgelöst werden. Darin spielt dann allerdings nicht mehr Felicitas Woll mit. Deswegen ist das auch kein echter Spin-off von „Berlin, Berlin“. Der findet 2006 höchstens auf der Leinwand statt, in einem einmaligen Kinofilm.

Echte Ableger von Fernsehserien sehen anders aus. „Man nimmt erfolgreiche Figuren und bringt diese Sympathieträger herüber in eine neue Serie“, sagt Knut Hickethier. Der Medienwissenschaftler hat das Buch „Die Fernsehserie und das Serielle des Fernsehens“ veröffentlicht. Spin-Offs, so Hickethier, seien Produktionen, die darauf abzielen, Formate mit möglichst geringem Risiko herzustellen. „Wie macht man also etwas Neues, das auf die Vertrautheit des Alten aufbaut?“. Die Antwort liegt auf der Hand. Spin-Off. „Mit der Spin-Off-Figur hat man nicht nur den Darsteller aus der alten Serie herüber genommen, sondern auch einen Teil des Milieus.“

Eine ganz gewöhnliche, vollkommen neue Serie braucht dahingegen oft eine gewisse Anlaufzeit. Der Zuschauer muss sich an die Charaktere gewöhnen. Für solch eine Gewöhnungsphase hätten die Sender meist keine Zeit mehr, so Hickethier. „Es ist eben die Zeit, in der die Angst vor Flops vorherrscht." Zwar sieht Hickethier in Spin-Offs keine „große Kreation“ und keinen „Ausweis von großer Qualität“ – dennoch verteidigt er solche Nachfolgeserien: „Es ist natürlich schwer, ein neues Produkt herzustellen, weil es fast alles schon einmal gegeben hat.“

Anfang September startete in den USA „Joey“, der Spin-Off zur Comedy-Serie „Friends“. Zehn Staffeln lang lief die Serie um die Freunde Monica, Phoebe, Rachel, Chandler, Ross und eben auch Joey – insgesamt waren das 236 Folgen. Aber dann war Schluss. Im Mai dieses Jahres strahlte der amerikanische Fernsehsender NBC die letzte Episode aus. „Joey ist eine Figur, die sich in der Serie noch am wenigsten entwickelt hat", sagt Klaus Fischer. „Deshalb lässt sich mit ihr noch am meisten anfangen.“

Fischer betreibt die deutsche „Friends“-Fan-Website www.alwaysfriends.de. Wenn Pro 7 die Serie auf einem populären Sendeplatz gezeigt hat, klickten die Site nach Fischers Angaben wöchentlich etwa 10000 Internetnutzer an. „Friends“ sei noch erfolgreicher gewesen als die Serien „Seinfeld“ und „Emergency Room“. „Wenn solch eine Serie nach so vielen Jahren aufhört, muss sich der Sender händeringend darum bemühen, die Zuschauer weiter an sich zu binden.“ Einfachste Möglichkeit? Ein Spin-Off! „Klar, das ist auch einfallslos“, sagt Klaus Fischer. Deswegen seien Spin-Offs ja auch meistens gescheitert. „,Frasier’ war der einzige Spin-Off aus dem Comedy-Bereich, der nicht gescheitert ist."

In Deutschland gibt es nicht viele Spin-Offs. Auch Kirsten Ellerbrake fallen auf Anhieb nicht viele Nachfolgeserien ein. Ellerbrake produzierte „Broti & Pacek“, ein Spin-Off zur Sat 1-Arztserie „Alphateam“. Von „Broti & Pacek“ hatte Sat 1 nach zwei Staffeln keine neuen Folgen mehr geordert. „Die Geduld des Senders war nicht groß genug", sagt Ellerbrake. „Wir werden später aber wahrscheinlich auch in Deutschland mehr mit solchen Formaten zu tun haben.“

Ein paar deutschsprachige Nachklappserien gibt es jedoch schon. Beste Beispiele: „Stockinger“ entstand aus „Kommissar Rex“, Charly, der Affe aus „Unser Charly“, ließ sich bei Robbie, der Robbe aus „Hallo Robbie!“, blicken. Und die Pro-7-Serie „Eighteen – Allein unter Mädchen“ ist ein Spin-Off von „Seventeen – Mädchen sind die besseren Jungs“. Und, wer weiß, vielleicht spielt „Berlin, Berlin“-Star Felicitas Woll in „Liebe, Liebe“ ja doch noch mit.

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