Medien : Die Sprache in die Ecke schlenzen

Matthias Kalle

So, Halbzeit. Sagen ja jetzt alle. Aber stimmt das denn? Der große Journalist und Liebhaber der deutschen Sprache Wolf Schneider stellt in einem seiner Bücher die Frage, was denn eigentlich eine Halbzeit sei – beim Fußball die 15 Minuten zwischen den beiden Spielhälften? Oder sind es die Spielhälften, aufgeteilt in Halbzeit eins und Halbzeit zwei? Schneider verlangt: Genauigkeit, denn Sprache ist manchmal unlogisch, und gerade wir Journalisten müssen uns Mühe geben.

In Athen gibt sich die zweite Liga der Kommentatoren alle Mühe, um den Zuschauer mit Genauigkeit und Sachverstand zu verblüffen. Als die deutsche Hockey-Mannschaft gegen Pakistan spielte, sagte der Kommentator Jan Möller über einen Pakistani, er sei „der weltbeste Eckenschlenzer“, und wenn man das hört, dann weiß man, dass es da zwei Männer geschafft haben: zum einen der Pakistani, der die Ecken schlenzen kann wie kein zweiter; und zum anderen Möller, der einen Begriff für die Ewigkeit geprägt hat – es gibt Kinder, die geben bereits als Berufswunsch „Eckenschlenzer“ an, und man kann in seinem Leben nutzlosere Dinge tun, als Ecken zu schlenzen.

Schwimmen zum Beispiel. Schwimmen in Athen führte die Deutschen nirgendwohin, außer in die Studios von ARD und ZDF, wo das Verständnis zu Hause ist. Gestern war Hannah Stockbauer bei Poschmann und Poschmann sagte, dass Mitleid das Schlimmste sei und da wollte er lieber „den Schlüssel“ suchen, wozu, blieb unklar. Die Suche ging dann dummerweise weiter, das ZDF zeigte Schwimmen und Beachvolleyball, die langweiligste Sportart aller Zeiten, obwohl doch Baseball lief, und so hätte man uns vor den Enttäuschungen der ersten Woche, den sportlichen und den sprachlichen, retten können: All das zeigen, wo deutsche Athleten nicht dabei sind. Über die Schönheit des Sports reden. Überraschen. Verblüffen. Ach!

So. Zweite Halbzeit. Sagen ja jetzt alle. Und Gerd Rubenbauer muss die Leichtathletik in Athen retten. Zumindest sprachlich.

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