Medien : Die Stimme hinter Schmidt

Neu in Harald Schmidts Familie: Egon Hoegen, der seit 40 Jahren den „7. Sinn“ spricht

Thomas Gehringer

Egon Hoegen saß kürzlich beim Friseur, plauderte ein bisschen, als ein anderer Kunde behauptete, jemand müsse im Salon ein Radio angestellt haben. Hoegen wusste gleich, da läuft kein Radio, er ist gemeint. „So etwas passiert mir pausenlos“, sagt er. Seine tiefe, volle Stimme ist eine der bekanntesten des Landes, nur können die Menschen sie oft nicht gleich zuordnen.

Hoegen ist Nachrichtensprecher, er begann 1956 im Hörfunk, als WDR und NDR noch unter dem Dach des so genannten NWDR vereint waren. Legendär wurde er mit seinen Anmoderationen des „Internationalen Frühschoppens” („sechs Journalisten aus fünf Ländern“) oder seinen Verkehrstipps im „7.Sinn“. Seit vier Wochen ist er auch in der Schmidt-Show zu hören. Hoegen spricht dort die Einspielfilme, zum Beispiel die Rubrik „Bürger helfen der CIA“. Schmidt reizte wohl die Irritation, dass die satirischen Texte und der manchmal auch etwas schlichtere Witz seiner Sendung durch eine bekannte, seriöse Stimme vorgetragen wird.

Wenn man Egon Hoegen trifft, überrascht als Erstes, dass diese sonore Stimme zu einem so großen Mann gehört: Um die 1,90 ist er. Er steht in seinem Wohnzimmer und erzählt, dass sie auf Vorrat „eine ganze Reihe lustiger Abspänne“ aufgenommen hätten. Man merkt, dass Hoegen sehr stolz ist auf seine Arbeit für Schmidt. „Ich schätze Harald Schmidt sehr und bin mit großer Herzlichkeit aufgenommen worden. Die Chemie stimmt.“ Hoegen hat das Zeug, zu einem echten Ensemble-Mitglied zu werden wie früher Helmut Zerlett oder Suzanna. Einmal hatte Hoegen sogar schon einen echten Auftritt. Schmidt ließ ihn auf einem Sofa ein etwas seltsames Gedicht des jungen Autors Adam Green vorlesen. Wieder wirkte der Kontrast: Selbst Lyrik über schwule Schildkröten klingt, von Egon Hoegen gesprochen, wie eine milde Ermahnung, bei der Fahrt über Landstraßen auf den Wildwechsel Acht zu geben.

Satirische Texte sind Egon Hoegen keineswegs fremd. Für Glossen bei „Monitor“ und zuletzt auch bei „Frontal 21“ hat er seine Stimme geliehen. Und mit Harald Schmidt hatte er schon früher beim WDR für „Schmidteinander” zu tun und auch für eine Ausgabe von Schmidts alter Late-Show. Die lief zwar bei Sat 1, was kein Problem war, denn Egon Hoegen ist Ruheständler und seitdem freiberuflich beschäftigt.

Das muss als Hinweis auf sein Alter allerdings genügen. Bei seinem Geburtsdatum wird er wortkarg. „Einen Sprecher definiere ich nicht an seinen Jahresringen. Auch ein Musikinstrument wird von Jahr zu Jahr reifer und voller“, sagt er und deutet auf das Cello in der Ecke des Wohnzimmers, das seiner Frau Dorka gehört, die Musikerin und Schauspielerin ist. Er hat sie am Theater in Münster kennen gelernt.

Hoegen ist auch Schauspieler. Seine Bühnenreifeprüfung hat ihm im Jahr 1951 sogar Gustaf Gründgens abgenommen. „Sie werden Ihren Weg machen – mit Ihrem Kopf und Ihrer Stimme”, habe ihn Gründgens damals ermuntert. Egon Hoegen wollte sich nicht auf Gründgens verlassen. Er hat außerdem Germanistik und Romanistik studiert, spricht Französisch, Latein und Englisch. Hoegen ist bekannt dafür, dass er sich auf jeden Text akribisch vorbereitet. „Man muss sich mit dem Text identifizieren“, sagt er. Als Nachrichtensprecher sei es selbstverständlich gewesen, „dass man nicht nur Sprachrohr ist, sondern mitdenkt“.

Seine künstlerische Seite ist Egon Hoegen bis heute wichtig, gern nimmt er Einladungen zu literarischen Lesungen an, sogar von moderner Lyrik. „Mir hat es immer Spaß gemacht, mich in etwas ganz Fremdes hineinzudenken“, sagt er.

Doch berühmt machte ihn seine sachliche Seite. Seit Sendestart 1966 hält er dem „7. Sinn“ die Treue. Dafür gab es den Bambi, die Goldene Kamera und das Bundesverdienstkreuz. Die ARD-Sendereihe habe viel erreicht, sagt er, etwa als Vorreiter bei der Gurtpflicht. Doch insgesamt sei die Verkehrsmoral „sub omnibus canonibus“ – unter aller Kanone. Eine „Todsünde“ findet er vor allem Drängler, und den Führerschein ab 16 Jahren, begrenzt auf Kleinstwagen, hält er für „viel zu früh“. Dabei fährt er selbst gerne schnell, „wenn es die Verhältnisse zulassen“. Man merkt, die Rolle als Verkehrsexperte ist auch die Lebensrolle von Egon Hoegen. „Das ist mir schon zur zweiten Natur geworden“, sagt er selbst. Fast. Jetzt schult der Verkehrsexperte zum Satiriker um.

„Harald Schmidt“: 23 Uhr, ARD

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