Medien : Die Story ist alles

„Kollaps“, ein ARD-Film über die Schuld eines Kriegsreporters

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Zerstörte Landschaften und Häuser, Militärstreifen, herumirrende Menschen, die ihre Heimat verloren haben. Und Journalisten auf der Suche nach einer Story. Konrad Lange ist einer von ihnen, ein guter, renommierter. Er will Geschichten schreiben über „die Kinder des Krieges“. Die Geschwister Aljasa und Shadi will er unbedingt in der Ruine jenes Hauses interviewen, in dem ihre Eltern umgekommen sind. Der Posten warnt vor Heckenschützen, Konrad schiebt ein paar Geldscheine rüber, sie dürfen ins Niemandsland passieren. Dann fallen Schüsse. Der Junge bricht zusammen, Konrad will ihn retten, wird selbst von einer Kugel gestreift. Das Bild des Mannes mit dem sterbenden Kind auf dem Arm geht durch die Presse. Er ist ein Held. Und niemand außer ihm selbst weiß, dass er schuld ist am Tod Shadis.

Reporter als Hauptfiguren sind ein so lohnender wie abgegriffener Topos, in Kino wie im Fernsehen. Wenn aber Rolf Schübel und seine bewährte Co-Autorin Ruth Toma („Gloomy Sunday“) einen solchen Protagonisten für ihren Film „Kollaps“ (Mittwoch, 20 Uhr 15, ARD) wählen, zielen sie nicht auf vordergründig exotische Action. Dann sezieren sie nicht nur akribisch die höllischen Mechanismen des Medienbetriebes – entstehen Ereignisse nur deshalb, weil sie inszeniert sind? Wieviel Risiko ist zulässig? Wie viel Wahrheit will/soll/darf der Leser erfahren? Schübel/Toma entwickeln eine komplexe Figur, die sich aus Übermut und Selbstherrlichkeit in eine Sackgasse manövriert.

Sebastian Koch (mit Grimme-Preis gekrönt in der Rolle des Klaus Mann in „Die Manns“) beginnt als selbstsicherer, Charme versprühender Macho, dem langsam der Boden entgleitet. In seinem Gesicht, in seinem ganzen Körper spiegelt sich das Tohuwabohu aus der Sehnsucht nach einer Erlösung, die es nicht geben kann, aus Wut und Hass gegen sich selbst, die er an anderen auslässt, und schließlich einer aufkeimenden Liebe, mit der er nicht fertig wird.

Selbst die kleinste Rolle hat Rolf Schübel mit so viel Sorgfalt und Feingefühl besetzt und ausgestaltet, dass nicht nur das Psychogramm eines Mannes in seiner schwersten Krise entsteht, sondern ein beklemmend genaues Bild der Gegenwart zwischen Bürgerkriegen, Asylverfahren, Psychiatrie und Zeitungsalltag. Mechthild Zschau

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