Medien : Die Stunde der Komödianten

Barbara Nolte

Wenn in den Stadien die Lichter ausgehen, wenn Delling und Netzer nach einem langen Tag ins Bett dürfen, dann beginnt im Fernsehen die Stunde der Komödianten. Es sind keine echten Komödianten, das ist wahrscheinlich das Problem, eher Umschüler.

Erst kommt Sarah Kuttner. Bis vor ein paar Wochen war sie Moderatorin bei MTV, gefeuert, eingestellt von der ARD und dort am Mittwoch zu sehen mit einer Faschingströte in der Hand. Man soll sich ja hüten vor Menschen mit Tröten, und Kuttner bläst tatsächlich sogleich hinein, zieht ein paar Grimassen und kriecht dann topfschlagend über den Boden.

Wo ist der Fußballbezug? Nun, sie spielt eine Frau, die Oliver Kahn zum Geburtstag eine Party ausrichtet. Und wo ist der Witz? Warum kommt nur immer so etwas Quälendes heraus, wenn die ARD schrägen Humor ankündigt?

Weiter geht es volkstümlich: mit Waldemar Hartmann. Und selbst der hat bei der Begrüßung zu seinem „WM-Club“ einen selbstironischen Gesichtsausdruck aufgesetzt, dabei ist Selbstironie die Charaktereigenschaft, die ihm am fernsten liegt. Sechs Stunden später im „Morgenmagazin“ beginnt Peter Großmann seine „WM-WG“ mit einem Kalauer, obwohl er total schlaftrunken sein müsste. Es ist der erzwungene Humor, der allen WM-Nachbereitungssendungen eigen ist. Ein Ich- mein-das-lustig-Gestus, der kaschieren soll, dass jetzt alles noch mal gesagt wird, dass dieselben Kommentare um 15 Uhr 45, 17 Uhr 30 und 20 Uhr 10 bereits gefallen sind. Es gibt nur eine bestimmte Menge über Fußball zu sagen, die Sender walzen es so dünn aus, wie sie können. Harald Schmidt ist bei den Olympischen Winterspielen schon daran gescheitert, den Ski- und Eisschnellläufern in einer Abendshow Humor abzutrotzen. Wie wär’s also mit einer neuen Sachlichkeit? Einfach die Spiele des Tages wiederholen, die ganze Nacht hindurch, bis Netzer und Delling wieder aufstehen.

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