• Die „Süddeutsche“ will die alten Regeln, „Focus“-Chef sieht „wichtigere Probleme in Deutschland“

Medien : Die „Süddeutsche“ will die alten Regeln, „Focus“-Chef sieht „wichtigere Probleme in Deutschland“

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Der SpiegelVerlag und die Axel Springer AG werden zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Die Umsetzung in den Print- und in den Online-Publikationen der Verlage soll schnellstmöglich erfolgen, wurde betont. Dem Schritt anschließen will sich die „Süddeutsche Zeitung“. Verlagssprecher Sebastian Lehmann sagte, die Redaktion der „SZ“ sei in die Gespräche mit Springer und Spiegel eingebunden gewesen. Intern werde diskutiert, von welchen Regelungen man wieder abrücken wolle und von welchen nicht. Der Zeitpunkt sei offen.

Auch der Heinrich Bauer Verlag hat die Rückkehr zur alten Rechtschreibung begrüßt. Sprecher Andreas Fritzenkötter sagte, „wir halten diese Initiative für positiv und unterstützen sie“. Man wolle dem Beispiel von Spiegel und Springer aber nicht sofort folgen. „Voraussetzung für konkrete Schritte hin zur alten Rechtschreibung ist, dass möglichst viele Verlage dem Beispiel folgen“, so Fritzenkötter.

Als erster Vertreter eines elektronischen Mediums kündigte Peter Voß, Intendant des Südwestrundfunks, an, dass auch sein Sender diesen Schritt prüfe und diese Überlegung in die ganze ARD einbringen wolle.

CONTRA: Das Nachrichtenmagazin „Focus“ bleibt bei den neuen Rechtschreibregeln. „,Focus’ schreibt so, wie es an den Schulen gelehrt wird“, sagte Sprecher Uwe Barfknecht. Der Chefredakteur Helmut Markwort meinte, „Deutschland hat wichtigere Probleme als einen neuen Streit um die Rechtschreibreform“.

Beim Verlag Gruner + Jahr soll eine eventuelle Rückkehr zur alten Rechtschreibung zwar den einzelnen Chefredakteuren überlassen bleiben, allerdings hat eine Umfrage vor einiger Zeit ergeben, dass die Mehrheit der Chefredakteure gegen eine Rückkehr sei. Der „Stern“ wird die neue Schreibung beibehalten. Nichts anderes planen die „taz“ und die „Frankfurter Rundschau“. Für die Verlagsgruppe Holtzbrinck „(„Handelsblatt“, „Die Zeit“, Der Tagesspiegel) sagte Sprecher Rolf Aschermann, dass die einzelnen Redaktionen selbst über die Form der Rechtschreibung entscheiden. Für die österreichische Presse ist die Rückkehr zur alten Rechtschreibung derzeit kein Thema, ähnlich in der Schweiz, wo allerdings jeder Verlag das Regelwerk selbst modifiziert.

UNENTSCHIEDEN: Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger misst dem Schritt „Signalwirkung“ zu. Der Verband erklärte, man werde „die Entwicklung beobachten und zeitnah“ beraten. Die Nachrichtenagenturen wie AP werden zunächst die Reaktion ihrer Kunden abwarten oder wie die dpa ein Meinungsbild erstellen. Dem Ergebnis dieser Umfrage will sich ddp anschließen. Was alle Agenturen wollen: eine einheitliche Lösung, entweder alte oder neue Rechtschreibung. Joachim Huber

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