Die Tour im TV : Alles auf Anfang

Auf dem Weg nach Paris zerbröselte die Tour de France 2007, auch medial. Den Radsport, der eine Grenze zu künstlich erbrachter Leistung braucht, sollen jetzt ausgerechnet die um ihr Image besorgten Sponsoren heilen.

Bernd Gäbler

Aus dem früheren Schweigekartell wurde am Ende ein Wetteifern der Empörten. Auf dem Weg nach Paris zerbröselte die Tour de France 2007, auch medial. Das Radrennen rutschte in den Spartenkanal; Sat 1 wollte einen Coup landen, beschädigte stattdessen Quoten und Ansehen. ARD und ZDF setzten ein Zeichen. Sie entzogen dem Theater die Bühne, den Sponsoren die Reichweite. Im Kern war das eine ökonomische Reaktion, noch keine journalistische. Den Sport, der eine Grenze zu künstlich erbrachter Leistung braucht, sollen jetzt ausgerechnet die um ihr Image besorgten Sponsoren heilen. Eine Grenzziehung – oft ebenso imaginär – braucht auch der Sportjournalismus: zum Event-Marketing. Wer aber soll ihn heilen? Vor allem im Fernsehen? Im Moment wird da vor allem getalkt. Das ist noch keine journalistische Strategie. Ein Neubeginn ist kaum möglich ohne Zeit – die Rückgabe der Live-Rechte für die Tour 2008 würde sie schaffen – und Erinnerung. Wolf-Dieter Poschmann muss nicht tränenerstickt beichten, wie das ZDF die Ausstrahlung der dänischen Doping-Doku „Der Preis des Schweigens“ unterbunden hat, aber Innehalten wäre angebracht. „Alle haben es gewusst“, sagt Ex-ZDF-Reporter Michael Palme. Wann werden noch aktive Journalisten ehrlich? Mechanismen müssen aufgedeckt werden. Was hat die ARD an den Telekom-Deals verdient? Warum verteidigten alle TV-Reporter den Ringer Alexander Leipold, als er mit Nandrolon erwischt wurde? Nicht jeder Journalist muss Detektiv sein – aber neugierig. Wer bietet Hintergründe oder längere filmische Beobachtungen? Wie funktioniert im Fußball der Spielermarkt? Wer bestimmt das Boxgeschäft? Wie soll von den Olympischen Spielen in Peking 2008 berichtet werden? Aussitzen reicht nicht mehr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben