DIE TOUR im TV : Für dicke Waden

Doch, auch beim Sender Eurosport kommt Doping vor. Die Co-Kommentatoren Jens Heppner und Tony Rominger gibt es nicht mehr, positive Tests werden erwähnt, sogar ein früherer Etappensieg von „Matze“ Kessler als inzwischen wertlos dargestellt.

Bernd Gäbler

Europort inszeniert die eigene Berichterstattung zur Tour nicht als Epochenzäsur. Es fehlen die Gebrauchsanweisungen, wie man als aufgeklärter Zeitgenosse mit einem gelben Trikot umzugehen habe: freuen schon, aber skeptisch bleiben.

„Heute ist der Däne am Drücker“, über Mikael Rasmussen waren sich ARD und Eurosport einig. Ebenso in der Meinung, dass die Entscheidung erst nach den Pyrenäen und dem Zeitfahren fallen wird. Früher aber identifizieren Karsten Migels und Ulli Jansch, dieser mit stetem Drang zu Kalauer und Plaudertasche, Ausreißer oder Sturzopfer wie Cuesta von CSC. Sie kommentieren für Eurosport weitgehend wettkampfimmanent. Dass der verletzte T-Mobile-Kapitän Michael Rogers aufgeben wird, vermuten sie bald und liegen richtig. Als er abreißen lassen musste, lief in der ARD gerade „Kultur“. Beide sind nicht besonders sprachbegabt, aber kennen sich aus. Am Tag zuvor hatten sie berechnet, dass Linus Geldermann am Berg gegenüber dem Hauptfeld nur eine Minute verlor, die Favoriten sich aber nur belauerten statt zu attackieren, weswegen sie von Etappensieg und gelbem Trikot schon sprachen, als im ZDF noch banges Mitfiebern angesagt war. Selten erklimmen sie die Metaebenen eines Diskurses über Leistungsgesellschaft und Hilfsmittel, aber man verpasst nichts. In diesem Sender wohnt nicht das real oder vermeintlich Investigative, dennoch darf jeder dort ohne schlechtes Gewissen die „Tour“ schauen.

Das richtige Programm für alle Jungs mit den dicken Waden. Tsp

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