DIE TOUR im TV : Großes Missverständnis

Die Tour 2007 ist ein Radrennen. Die Tour 2007 hat einen Doping-Schatten. Weil’s aber eine besondere Tour 2007 ist, gibt es eine noch neue, eine dritte Ebene: das Missverständnis.

Joachim Huber

Die Tour 2007 ist ein Radrennen. Die Tour 2007 hat einen Doping-Schatten. Weil’s aber eine besondere Tour 2007 ist, gibt es eine noch neue, eine dritte Ebene: das Missverständnis. Das Missverständnis entspringt nicht unmittelbar dem Peloton und dem Pipi, es entsteht mittelbar. Angefangen hat Jörg Jaksche. Der frühere Doping-Profiteur ist vom Rad gestiegen, er hat jetzt viel Zeit für die übertragenden Fernsehsender. Er war bei der ARD, bei Eurosport. Eine seiner Zielpersonen heißt Andreas Klöden, der im Astana-Team der Kasachen fährt. Jaksche hat herb über Klöden geredet, Klöden hat „durchgeknallt“ zurückgeschrien, das nimmt er wieder zurück, großes Missverständnis, er sei erregt gewesen. Ehe sich beide auf dem Medien-Tandem erschöpfen, sprintet Unser-aller-Hauptverdächtiger Jan Ullrich um die Ecke. Im Interview mit der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ attackiert er Aldag & die Beichtfreunde, prahlt mit seinem Reichtum, nie wieder müsse er Rad fahren noch arbeiten.

Kaum sind Ullrichs Worte mit doppelter Lautstärke aus dem medialen Echoraum zurück- und ihm um die Ohren geflogen, zieht Ullrich sein vermeintliches As: Die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, alles ganz anders, nix von Kohle bis ans Lebensende. Falsche Übersetzung, falsche Interpretation. Die Medien-Zitier-Maschine läuft heiß. Ullrich widerruft! Erneut senkt sich der große Nebel des Missverständnisses über die Tour. Vielleicht ist die Tour ein Missverständnis, das Doping ein Missverständnis, das Missverständnis ein Missverständnis.Joachim Huber

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