DIE TOUR im TV : Tour unplugged

Kurt Sagatz

Den Zuschauern der Tour 2007 geht Doping bedingt bereits lange vor den Bergen die Puste aus. Die Einschaltquoten sind zum Start des bedeutendsten Radrennens der Welt nach 2006 nochmals gesunken – zumindest bei ARD und ZDF. Jetzt, da die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Doping-Gewissen mit aller Macht unter Beweis stellen, als ob das Thema gerade erst auf den Spielplan gesetzt wurde, kennt man nur noch den Generalverdacht. Viele treue Fans der Tour hat dies offensichtlich nachhaltig verschreckt und der Konkurrenz in die Arme getrieben. Während bei ARD und ZDF die Quoten in den Keller rauschen, hat sich die Zuschauerzahl beim Spartensender Eurosport fast verdreifacht. Hier gibt es Radrennen unplugged. Das D-Wort kommt eher selten vor und behindert die Berichterstattung vor, während und nach der Etappe in keiner Weise. Bei Eurosport stehen die Zuschauer in der ersten Reihe, könnte man in Abwandlung des öffentlich-rechtlichen Werbeslogans sagen, so, als befänden sie sich selbst an der Strecke.

Doch der Erfolg der Konkurrenz wird nicht ohne Folgen bleiben. Sehr schnell werden ARD und ZDF in Erklärungsnöte geraten. Entweder ist man in der Lage, die Tour in erster Linie als Sportereignis wahrzunehmen, oder man verzichtet auf die Vollzeit-Berichterstattung. Was jedoch nicht geht: den Anti-Doping-Plan an den Zuschauern vorbei zu senden.

Erste Anzeichen dafür, dass man sich bei ARD und ZDF dieser Vernunft nicht verschließt, sind bereits zu erkennen. Die Kommentatoren sind längst wieder dort angekommen, wo man sich in den Vorjahren auf den Flachetappen gerne aufgehalten hat: bei touristischen Streifzügen durch die französische Provinz. Ebenfalls erfreulich: Zum Ausklang der Berichterstattung wird das gute Abschneiden von Erik Zabel gewürdigt – und zwar rein sportlich. Kurt Sagatz

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